Angus & Julia Stone machen Musik, die klingt, als hätten zwei Menschen irgendwo zwischen Sonnenuntergang, Fernweh und einem sehr gut sortierten Plattenregal beschlossen, einfach weiterzumachen. Mit „Karaoke Bar“ gelingt ihnen dabei das Kunststück, gleichzeitig verträumt und erstaunlich lebensfroh zu klingen. Also ungefähr so, wie man sich eine Karaoke-Bar vorstellt, wenn dort ausschließlich Menschen mit Geschmack auftauchen.
Das Album bewegt sich gewohnt elegant zwischen Folk, Soul, Indie-Pop und Americana, bleibt dabei aber angenehm weit weg von der großen Geste. Angus und Julia teilen sich die Songs, wechseln zwischen Solo, Duett und Harmonie und erzeugen genau jene eigentümliche Nähe, die ihre Musik seit Jahren auszeichnet. Man hört zwei Stimmen – und trotzdem klingt es häufig wie ein einziger, ziemlich gut gelaunter Organismus.
Der Titelsong entstand auf Hydra. Leonard Cohen wohnte dort einst, was schon eine gewisse Erwartungshaltung erzeugt. Doch statt schwermütig auf einer griechischen Mauer zu sitzen und über das Ende der Zivilisation nachzudenken, haben die Stones offenbar lieber einen Song über gemeinsames Singen gemacht. Vernünftige Entscheidung.
Auch „Monroe“, aufgenommen in den legendären Miraval Studios, trägt diese Mischung aus Geschichte und Gegenwart. „Celestial Bodies“ reist musikalisch einmal um die halbe Welt, während „The Cherry Farm“ mit seinem treibenden Four-to-the-Floor-Rhythmus Erinnerungen, Verlust und Vergänglichkeit erstaunlich tanzbar verpackt. Man kann also melancholisch sein und trotzdem mit dem Fuß wippen. Die Menschheit ist vielleicht doch noch nicht verloren.
Überhaupt ist Nostalgie das heimliche Grundrauschen dieses Albums. Aber keine klebrige Nostalgie mit Sepiafilter und altem Familienalbum. Eher die Erkenntnis, dass schöne Momente meistens erst dann ihre volle Bedeutung bekommen, wenn sie schon vorbei sind. Dazu kommen diese warmen Gitarren, die Stimmen der Geschwister und eine Produktion, die sich nie wichtiger nimmt als die Songs.
„Karaoke Bar“ ist deshalb kein Album, das laut nach Aufmerksamkeit schreit. Es sitzt eher entspannt in der Ecke, bestellt noch ein Getränk und wartet darauf, dass jemand merkt, wie gut es eigentlich ist.
Ein Album über Lebensfreude, Erinnerung und die kleinen Fluchten aus dem Alltag. Verträumt, warm, leicht melancholisch – aber ohne musikalischen Weltschmerz im Großpack. Und wenn Karaoke immer so klingen würde, könnte man vielleicht sogar wieder hingehen.
Text: Dennis Kresse
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