Bigger, louder, härter: Airbourne drehen einfach alles auf Anschlag

**Airbourne – »Airbourne«**

Airbourne machen keine Gefangenen. Und schon gar keine leisen Platten. Auf ihrem sechsten Album mit dem denkbar bescheidenen Titel »Airbourne« nehmen die Australier das, was sie seit Jahren auszeichnet, und drehen es so weit auf, bis selbst der Lautstärkeregler um Gnade bittet.

„Gargantuan“, nennt Sänger und Gitarrist Joel O’Keeffe das Ergebnis. Das ist ausnahmsweise keine Rock’n’Roll-Pose. Diese Platte klingt tatsächlich riesig.

Fette Gitarren, Drums wie Kanonenschüsse, Chöre für die Festivalmeute und Songs, die ungefähr so subtil sind wie ein Bierkasten im Porzellanladen. Airbourne wissen schließlich ganz genau, was sie wollen: dreckigen, verschwitzten, sexgeladenen Rock’n’Roll, der nicht fragt, ob das gerade zeitgemäß ist. Und sie haben offensichtlich auch nicht vor, damit anzufangen.

Das Schöne: Trotz des ganzen Bombasts wirkt die Sache nicht aufgeblasen. Die Band hat monatelang an den Drums gefeilt, auf Tape aufgenommen und sich mit Brian Howes und Mike Fraser zwei Produzenten ins Boot geholt, die wissen, wie Rock klingen muss, wenn er nicht nach Plastik riechen soll. Dazu Vintage-Neve-Technik aus der australischen Rockgeschichte.

Musikalisch bleibt man seiner Linie treu: »Here She Comes« ist der erwartbare Arena-Brecher, »Last Man Standing« und »Hell’s Got No Vacancy« liefern die obligatorische „Wir geben niemals auf“-Abteilung, während »Alive After Death« und »Send Me To Rock’n’Roll Heaven« den verstorbenen Helden von Bon Scott bis Lemmy ein Bier an die Himmelstheke stellen.

Und dann wäre da noch Joel O’Keeffe. Textlich bleibt der Mann zuverlässig unterhalb der Gürtellinie – manchmal charmant, manchmal pubertär, meistens beides. Aber auch das gehört zum Gesamtpaket.

»Airbourne« ist keine Platte, die den Rock’n’Roll neu erfindet. **Sie hat etwas viel Schwierigeres vor: Sie erinnert daran, warum man ihn überhaupt liebt.**

Laut. Schmutzig. Großspurig. Ehrlich. Ein Album wie ein Tritt in die Magengrube – und vermutlich genau deshalb so verdammt gut.

Text: Dennis Kresse

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