HIERER – „Weil man Schweigen nicht hört“
Es gibt Musiker, die machen Musik. Und es gibt Michael HIERER, der offenbar alles macht, was nicht schnell genug weglaufen kann: Keyboard, Klavier, Gitarre, Gesang, Komposition, Texte, Arrangements, Produktion. Nur in die Trompete muss man ihm nicht kommen. Reinblasen ist nicht so seins.
Zum Glück muss man nicht alles können, um gute Musik zu machen. HIERER kann allerdings verdammt viel – und hat trotzdem nicht den Eindruck erweckt, dass er das dem Publikum unbedingt unter die Nase reiben muss.
Seine neue Single „Weil man Schweigen nicht hört“ steht ziemlich exemplarisch für das, was HIERER antreibt: Musik soll etwas wollen. Texte dürfen eine Meinung haben. Und ein Song darf auch mal wehtun, statt sich drei Minuten lang gefällig in die Gehörgänge zu legen.
Das klingt zunächst nach einer ziemlich großen Ansage. Entscheidend ist aber, was daraus musikalisch wird. Und da zeigt sich ein Songwriter, der sein Handwerk kennt, ohne sich dahinter zu verstecken. HIERER verbindet Pop, Singer-Songwriter-Elemente und die Erfahrung aus Musical, Jazz- und Studiowelt zu einem Sound, der nicht unbedingt nach Schublade sucht. Warum auch?
Interessant ist dabei vor allem seine Biografie. Nach Musicalausbildung und Engagements, Studium in Münster und der Celler Schule für Textdichterinnen hat HIERER reichlich Gelegenheit gehabt, sich musikalisch auszutoben. Man hört diese Erfahrung – aber eben auch die Lust am Spielen.
Und genau das rettet die Sache davor, allzu bedeutungsschwanger zu werden. HIERER hat etwas zu sagen, nimmt sich dabei aber nicht wichtiger als den Song.
„Weil man Schweigen nicht hört“ ist deshalb kein musikalisches Hintergrundrauschen, sondern ein Stück Musik mit Haltung, Persönlichkeit und einer gesunden Portion Eigensinn.
Und wenn der Mann tatsächlich ähnlich viel Ahnung von Kaffee hat wie von Musik, sollte man ihm vielleicht einfach mal einen einschenken.
Aber bitte einen guten.
Text: Dennis Kresse
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