Pokey LaFarge: Rent Money – bitte nicht glattbügeln!

Pokey LaFarge ist einer dieser Musiker, bei denen man besser gar nicht erst versucht, ein passendes Schublädchen zu finden. Man würde ohnehin nur scheitern. Auf „Rent Money“ nimmt der amerikanische Troubadour einmal mehr Anlauf durch die Musikgeschichte und kommt dabei erstaunlich elegant wieder im Hier und Jetzt an.

Blues, Ragtime, früher Rock’n’Roll, Jazz, Gospel, Reggae, Boogie und Country Funk – bei anderen Künstlern könnte das nach musikalischem Flohmarkt klingen. Bei LaFarge klingt es nach einer ziemlich gut sortierten Plattensammlung, deren Besitzer beschlossen hat, daraus etwas Eigenes zu bauen. Produzent Elliot Bergman sorgt dabei für einen Sound, der den Songs Raum lässt, ohne sie auf Hochglanz zu polieren.

Und genau darin liegt die Qualität von „Rent Money“. Die Platte ist angenehm widerspenstig. Sie swingt, groovt und twangt, während LaFarge gleichzeitig über die ziemlich ungemütliche Gegenwart singt. „The Thing“ oder „My Baby Loves Me“ kommen mit eingängigen Melodien daher, haben aber mehr unter der Haube als bloße gute Laune.

Besonders schön wird es, wenn das Private die große Weltpolitik einfach einmal an die Seite schiebt. Wenn LaFarge davon singt, dass seine Frau Addie und seine Tochter Nina Ruth ihn lieben, verliert der ganze andere Quatsch plötzlich an Bedeutung. Ein erstaunlich einfacher Gedanke in einer erstaunlich komplizierten Welt.

LaFarge selbst sagt, er wolle Musik machen, die eine KI nicht nachmachen könne. Das ist ein ziemlich zeitgemäßer Satz – und gleichzeitig ein sehr altmodischer Wunsch: bitte nicht austauschbar sein. „Rent Money“ liefert dafür das passende Argument. Diese Musik hat Ecken, Kanten, Geschichte und vor allem Persönlichkeit.

Pokey LaFarge macht weiterhin nicht das, was man von ihm erwartet. Zum Glück. Denn während anderswo gerne optimiert, vereinheitlicht und glattgezogen wird, erinnert „Rent Money“ daran, dass gute Musik manchmal genau dann entsteht, wenn jemand einfach sagt: Nee. Mach ich nicht.

Und das ist vielleicht die schönste Form musikalischer Eigenwerbung: nicht perfekt sein wollen, sondern unverwechselbar.

„Rent Money“ erscheint digital am 11. September, CD und LP folgen am 2. Oktober über Boxer Boy Records.

2027 in Deutschland auf Tour:

20.03. Köln, Gebäude 9
21.03. Dresden, Beatpol
23.03. Berlin, Lido

Text: Dennis Kresse

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