Oliver Kalkofe hat ein Problem. Er gehört zu einer Generation, die sich gerne daran erinnert, dass früher irgendwie alles besser war. Weniger Auswahl, weniger Möglichkeiten, weniger Stress. Dafür zwei Fernsehprogramme, Zigarettenqualm im Familienauto und Mettigel. Willkommen in der guten alten Zeit. Oder besser: in der Zeit, die unser Gedächtnis inzwischen gnädigerweise ein wenig weichgezeichnet hat.
Im Bonner Pantheon nimmt Kalkofe sein Publikum mit auf genau diese Zeitreise. „Nie war früher besser als jetzt“ heißt sein neues Buch – und wer Kalkofe kennt, ahnt bereits, dass das keine nostalgische Kuschelrunde mit Häkeldeckchen wird. Trotzdem steckt erstaunlich viel Herz in seiner Abrechnung mit den Jahrzehnten, in denen Vokuhila, Dauerwelle, miefige Partykeller und Sendeschluss noch zum ganz normalen Wahnsinn gehörten.
Kalkofe liest aus seinem Buch, erzählt von persönlichen Erinnerungen und verbindet das Private immer wieder mit dem großen Ganzen. Die vermeintlich goldene Vergangenheit bekommt dabei ordentlich Kratzer. Denn natürlich verklärt man die eigene Jugend gerne. Man erinnert sich an Freiheit und Abenteuer – und verdrängt den Umstand, dass man dafür stundenlang im Auto saß, während der Vater rauchte und irgendwo im Radio vermutlich schon wieder Howard Carpendale oder Bata Ilic lief.
Im zweiten Teil gehört die Bühne dann dem Publikum. Fragen, die vorab eingereicht werden konnten, beantwortet Kalkofe ausführlich, spontan und mit jener Mischung aus scharfem Humor und erstaunlich genauer Beobachtung, die ihn seit Jahrzehnten auszeichnet. Es geht also nicht nur um damals, sondern auch um heute – und darum, warum die Vergangenheit vielleicht wichtiger ist, als wir manchmal denken.

Und dann macht Kalkofe etwas, das bei solchen Abenden längst nicht selbstverständlich ist: Er nimmt sich im Anschluss Zeit für Autogramme und Gespräche. Kein schneller Abgang, sondern noch ein bisschen Nähe zum Publikum.
Vielleicht war früher tatsächlich nicht mehr Lametta. Aber wenn ein Abend im Pantheon zeigt, dass man auch mit über 60 noch neugierig, bissig und selbstironisch auf die eigene Vergangenheit schauen kann, dann ist das zumindest ein ziemlich gutes Argument gegen das Älterwerden.
Text: Dennis Kresse
Credits: Harald Kirsch (Pantheon)