Martin Buchholz – Röslein, Röslein, Röslein – tot
Ein Krimi, der seine Leichen nicht nur aus dem Weg räumt, sondern gleich das ganze Genre mit.
Martin Buchholz, Kabarettist, Journalist und professioneller Beobachter des öffentlichen Irrsinns, legt mit Röslein, Röslein, Röslein – tot seinen ersten Roman vor und macht dabei etwas ziemlich Unvernünftiges: Er nimmt einen Krimi ernst genug, um eine spannende Geschichte zu erzählen, und gleichzeitig nicht ernst genug, um dessen sämtliche Konventionen ungeschoren davonkommen zu lassen.
Das funktioniert erstaunlich gut.
Die Ausgangslage ist bereits schön bekloppt: Eine Fernsehserie wird Wirklichkeit, indem jemand die dort gezeigten Morde nachspielt. Ein Fernsehsternchen und ein rechtsradikaler Rapper müssen daran glauben. Letzterer hat Goethes Heideröslein in eine perverse Fantasie verwandelt und endet mit einem Trump-Foto zwischen den Pobacken. Mehr muss man über diesen Menschen eigentlich nicht wissen.
Buchholz weiß allerdings, dass ein guter Satiriker nicht einfach nur die Absurdität beschreibt. Er muss sie auf die Spitze treiben und dann so tun, als sei alles ganz normal.
Dafür sorgt vor allem das Ermittlerduo. Kommissar Bruns ist eigentlich zu alt für den Polizeidienst und zu redselig für jede vernünftige Vernehmung. Irina Schultz ist eigentlich zu jung, zu feministisch und zu vorlaut. Zusammen ergeben sie genau das, was Kriminalromane normalerweise vermeiden wollen: zwei Ermittler, die sich gegenseitig nicht nur bei der Aufklärung des Falles, sondern auch beim Auseinandernehmen ihrer jeweiligen Weltanschauungen beschäftigen.
Die Vernehmungen werden dadurch zu kleinen sprachlichen Duellen. Und hier merkt man, wo Buchholz herkommt. Seine Figuren sprechen nicht einfach, sie haben Pointen im Mund. Das kann leicht schiefgehen. Bei Buchholz geht es meistens gut, weil hinter dem Witz ein ziemlich genauer Blick auf die Leute steckt.
Besonders gelungen ist die Medienwelt, die hier nicht als glamouröse Parallelwelt erscheint, sondern als das, was sie vermutlich viel häufiger ist: ein Gemisch aus Eitelkeit, Geschäft, moralischer Selbstüberhöhung und Leuten, die sich für wichtig halten, weil irgendwo eine Kamera steht.
Das Schöne daran ist, dass Buchholz nicht bloß über das Fernsehen spottet. Er nimmt den gesamten Betrieb auseinander: die Ermittlungsroutine, die politischen Reflexe, die Medienlogik und natürlich die Klischees des Kriminalromans. Alles wird auseinandergenommen, begutachtet und anschließend wieder zusammengesetzt – nur etwas schiefer als vorher.
Dabei bleibt der Roman tatsächlich ein Krimi. Das ist vielleicht die größte Überraschung. Zwischen den Pointen steckt eine ordentliche Spannung, und die Auflösung ist nicht bloß der Vorwand für den nächsten Gag. Buchholz kann also nicht nur Kabarett. Er kann auch Handlung.
Was nicht selbstverständlich ist.
Röslein, Röslein, Röslein – tot ist deshalb am besten dort, wo es beides gleichzeitig sein darf: Kriminalroman und Satire, Unterhaltung und Abrechnung. Ein Buch, das seine Leser unterhalten will, aber offenbar nicht vorhat, sie dabei für völlig bescheuert zu halten.
Und das ist heutzutage schon eine ziemlich angenehme Eigenschaft.
in kluger, böser und sehr unterhaltsamer Krimi, der seine Opfer nicht nur unter den Romanfiguren sucht. Auch das Genre, die Fernsehwelt und ein beträchtlicher Teil des öffentlichen Personals bekommen ihr Fett weg.
Und manchmal sogar zwischen die Pobacken.
Das ist nicht subtil.
Aber Subtilität wird ohnehin überschätzt.
Text: Dennis Kresse
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