Das Ruhrgebiet hat viele große Erfindungen hervorgebracht. Kohle, Currywurst, Schrebergärten und Menschen, die selbst bei widrigsten Umständen noch einen Spruch auf den Lippen haben. Matthias Reuter fügt dieser langen Liste nun „Pommes in Bademoden“ hinzu. Und nein, man muss dafür nicht im Freibad von Oberhausen aufgewachsen sein.
Der neue Textband versammelt Kurzgeschichten, Gedichte, komische Lieder und jene eigentümlichen Beobachtungen, aus denen guter Alltags-Humor entsteht. Reuter schaut auf das Ruhrgebiet, aber vor allem schaut er auf die Menschen. Und damit auf Dinge, die eigentlich überall passieren: Nachbarschaft, Familie, kleine Missverständnisse, große Pläne und die Erkenntnis, dass der Mensch sich selbst vermutlich am besten unterhalten kann.
Seine besondere Stärke liegt dabei in der Sprache. Reuter weiß, dass ein „Hömma“ manchmal mehr erzählen kann als ein ganzer Absatz Hochdeutsch. Das Ruhrdeutsche wird bei ihm allerdings nicht zur folkloristischen Tapete. Er benutzt es als Werkzeug, um Figuren, Situationen und Denkweisen auf den Punkt zu bringen. Dabei darf der Pott herzlich sein, aber durchaus auch gnadenlos.
Das Schöne an „Pommes in Bademoden“ ist, dass Reuter seine Heimat nicht auf eine Postkartenidylle reduziert. Hier wird nicht verklärt, sondern liebevoll seziert. Das Ruhrgebiet darf schrullig, laut, direkt und gelegentlich komplett daneben sein. Und genau deshalb wirkt es so sympathisch.
Dabei funktioniert der Humor auch außerhalb des Reviers. Wer schon einmal erlebt hat, wie aus einer völlig harmlosen Alltagssituation eine ausgewachsene Katastrophe wird, wird sich wiederfinden. Wer Familie hat, Nachbarn kennt oder schon einmal versucht hat, einen ganz normalen Tag halbwegs vernünftig zu überstehen, sowieso.
„Pommes in Bademoden“ ist kein Buch, das einem erklären möchte, wie lustig das Ruhrgebiet ist. Es zeigt es einfach. Mit Sprachgefühl, Selbstironie und einer ordentlichen Portion Menschenkenntnis.
Und spätestens wenn man beim Lesen über eine Geschichte lacht und anschließend denkt: „Verdammt, genau so ist es“, hat Matthias Reuter eigentlich alles richtig gemacht.
Pommes bleiben Pommes. Auch in Bademoden.
Text: Dennis Kresse
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