Manchmal reicht ein Instrument, um eine eigene Welt zu öffnen. Bei Andrés Coll ist es die Marimba – und wie der 25-Jährige aus Ibiza sie spielt, hat wenig mit Erwartungshaltungen zu tun und viel mit Neugier. Statt sich an Genregrenzen abzuarbeiten, setzt Coll auf Bewegung, Austausch und ein fast spielerisches Erkunden von Klangräumen.
Mit seinem Cosmic Trio – Mateusz Smoczyński an der Violine und Ramón López am Schlagzeug – entsteht ein Sound, der eher fließt als festgelegt ist. Improvisation ist dabei kein Selbstzweck, sondern Mittel zur Verständigung. Die Stücke entwickeln sich aus Momenten heraus, wachsen, kippen, finden neue Richtungen. Das wirkt nie bemüht experimentell, sondern erstaunlich zugänglich.
Auffällig ist, wie selbstverständlich unterschiedliche Einflüsse ineinandergreifen. Hier blitzen folkloristische Motive auf, dort schimmern rhythmische Ideen durch, die weit über den europäischen Raum hinausweisen. Coll bringt mit seinen perkussiven Elementen eine erdige Direktheit hinein, während Violine und Schlagzeug immer wieder neue Perspektiven eröffnen.
Das Ergebnis ist keine Fusion im klassischen Sinne, sondern eher ein offener Möglichkeitsraum. Man hört, dass hier drei Musiker auf Augenhöhe agieren, die weniger an stilistischen Etiketten interessiert sind als am gemeinsamen Klang.
Besonders stark sind die Momente, in denen sich alles verdichtet: wenn Rhythmus, Melodie und Dynamik ineinandergreifen und eine fast tranceartige Sogwirkung entsteht.
Das ist keine Musik für nebenbei – aber auch keine, die sich abschottet. Sondern eine, die neugierig macht, fordert und dabei erstaunlich leichtfüßig bleibt.
Text: Dennis Kresse
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