Jazz zum Anfassen – Hélène Duret macht Klang sichtbar

Mit PERCEPTION geht Hélène Duret einen konsequent eigenen Weg – und macht schon im Titel klar, worum es hier geht: Wahrnehmung. Nicht als abstraktes Konzept, sondern als unmittelbares Hörerlebnis.

Gemeinsam mit ihrem Ensemble SYNESTET und erweitert durch den Posaunisten Nils Wogram entsteht ein Sextett, das weniger in klassischen Jazzkategorien denkt als in Klangräumen. Die Stücke wirken dabei selten wie fertige Kompositionen, sondern eher wie offene Strukturen, die sich im Moment entfalten.

Das Spannende: Hier passiert viel zwischen den Tönen. Klarinette, Posaune und Rhythmusgruppe greifen ineinander, lösen sich wieder, bauen Spannungen auf, ohne sie sofort aufzulösen. Improvisation ist nicht Beiwerk, sondern zentrales Element. Gleichzeitig bleibt immer ein roter Faden spürbar – ein Gefühl dafür, wohin sich die Musik bewegen will, auch wenn der Weg dorthin offen bleibt.

Die Einflüsse reichen hörbar von Ornette Coleman bis Duke Ellington, ohne je in bloße Referenz abzurutschen. Stattdessen entwickelt Duret eine eigene Sprache, die weniger auf Virtuosität setzt als auf Atmosphäre. Klänge werden hier tatsächlich zu Texturen, zu Farben, zu etwas fast Greifbarem.

Dabei fordert „PERCEPTION“ seine Hörer:innen durchaus. Das ist kein Album für nebenbei, kein Soundtrack für den Alltag. Wer sich darauf einlässt, bekommt jedoch eine dichte, manchmal fast meditative Erfahrung, die sich erst nach und nach erschließt.

Fazit:
„PERCEPTION“ ist kein leicht zugängliches Jazzalbum – aber ein lohnendes. Hélène Duret gelingt es, Klang neu zu denken und dabei eine ganz eigene, organische Musikwelt zu schaffen. Anspruchsvoll, offen und gerade deshalb faszinierend.

Text: Dennis Kresse

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