KÄRBHOLZ – Sturm zieh auf: Wenn es draußen kracht, wird’s drinnen interessant

Drei Jahre sind eine lange Zeit. In der Musikbranche reicht das beinahe für zwei Comebacks, drei Nostalgiewellen und mindestens fünf neue Subgenres. KÄRBHOLZ haben die Pause genutzt, um nicht einfach dort weiterzumachen, wo sie mit „Kapitel 10: Wilde Augen“ und „Kapitel 11: Barrikaden“ aufgehört haben. „Sturm zieh auf“ klingt vielmehr nach einer Band, die ziemlich genau weiß, wo sie gerade steht – und keine Lust hat, sich dafür zu entschuldigen.

Das neue Album ist rauer geworden. Härter, kantiger und stellenweise ziemlich kompromisslos. Die Gitarren drücken nach vorne, die Songs haben ordentlich Wucht und KÄRBHOLZ verzichten weitgehend darauf, ihre Ecken und Kanten abzuschleifen. Das ist kein Album, das permanent um Zustimmung bittet. Es will eher wissen, ob man bereit ist, sich darauf einzulassen.

Dabei wäre es einfach gewesen, den Sturm ausschließlich draußen zu suchen. Schlechte Zeiten, schlechte Nachrichten, schlechte Welt – fertig wäre das nächste Rockalbum über den Untergang. KÄRBHOLZ gehen einen anderen Weg. „Sturm zieh auf“ richtet den Blick stärker nach innen. Es geht um Entscheidungen, um Widerstand, um das eigene Verhalten und um die Frage, was man aus schwierigen Situationen macht.

Das macht die Platte trotz ihrer Härte erstaunlich lebensbejahend. Nicht im Sinne von „Alles wird schon gut“, sondern eher nach dem Prinzip: Dann ist es eben gerade nicht gut. Also weiter.

Musikalisch funktioniert das besonders dann, wenn KÄRBHOLZ die Spannung halten. Zwischen Druck und ruhigeren Momenten, zwischen Wut und Nachdenklichkeit. Die Band muss nicht jeden Song bis zum Anschlag aufdrehen, damit er Wirkung entfaltet. Gerade die Momente, in denen kurz Luft geholt wird, machen den nächsten Schlag umso kräftiger.

„Sturm zieh auf“ ist deshalb kein Album, das sich bequem nebenbei konsumieren lässt. Es verlangt Aufmerksamkeit, bleibt dabei aber angenehm frei von erhobenem Zeigefinger. Die Band erzählt nicht, wie man gefälligst zu leben hat. Sie stellt sich selbst in den Sturm und nimmt den Hörer einfach mit.

Nach drei Jahren Pause sind KÄRBHOLZ also nicht leiser zurückgekommen. Aber sie sind auch nicht einfach nur lauter geworden.

Sie haben etwas zu sagen. Und dafür darf es ruhig ein bisschen krachen.

Text: Dennis Kresse

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