Danger Dan hat ein Problem. Nach „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ kann man eigentlich nur verlieren. Das Album von 2021 wurde zum Überraschungserfolg, mit Gold ausgezeichnet und machte aus dem Antilopen-Gang-Mitglied plötzlich einen Klavierspieler, dem halb Deutschland ziemlich genau zuhören wollte. Fünf Jahre später sitzt Daniel Pongratz wieder am Klavier. Und hat erstaunlicherweise nicht versucht, das Erfolgsrezept einfach noch einmal aufzuwärmen.
„Keine Angst“ ist zunächst einmal erstaunlich reduziert. Klavier, Stimme, ein paar Streicher – mehr braucht Danger Dan nicht. Aufgenommen wurde größtenteils zu Hause, gemeinsam mit seinem Bruder Panik Panzer. Das klingt nicht nach dem großen Studioentwurf, sondern eher danach, als hätte jemand beschlossen, den ganzen Produktionsfirlefanz einfach vor der Tür stehen zu lassen.
Das passt zu den Liedern. Danger Dan erzählt von Freundschaft, Liebe, Vergänglichkeit, Kneipen, Versicherungsvertretern und natürlich von einer politischen Gegenwart, die zunehmend schwer auszuhalten ist. Dabei wird es durchaus konkret. Der Titelsong „Keine Angst“ beschäftigt sich mit dem Erstarken des Rechtsextremismus und dem Widerstand dagegen. „Jede Grenze, jedes Gesetz, jeder Gott“ denkt über Grenzen und gesellschaftliche Gewissheiten nach. Andere Stücke bleiben viel näher am eigenen Leben. Gerade diese Mischung verhindert, dass das Album zur musikalischen Flugschrift wird.
Und dann ist da dieser typische Danger-Dan-Humor. Nicht als Gagmaschine, sondern als kleine Sollbruchstelle. Er darf zwischen Wut, Nachdenklichkeit und Melancholie auftauchen und erinnert daran, dass auch ein politischer Song nicht zwingend mit zusammengebissenen Zähnen vorgetragen werden muss.
Musikalisch hat Danger Dan seinen Stil weiter verfeinert, ohne ihn glattzubügeln. Das Klavierspiel wirkt sicherer und flüssiger, bleibt aber angenehm weit von jeder Zurschaustellung von Virtuosität entfernt. Die Songs stehen im Mittelpunkt. Und die Texte dürfen auch einmal einfach eine Geschichte erzählen, ohne am Ende zwingend die Welt erklären zu müssen.
„Keine Angst“ ist deshalb weniger die große Fortsetzung von „Kunstfreiheit“, als man zunächst erwarten könnte. Es ist persönlicher, manchmal leiser und durchaus verletzlicher. Und gerade dadurch entwickelt es seine Wirkung.
Danger Dan braucht keine große Band, kein orchestrales Bombastgewitter und auch keinen erhobenen Zeigefinger. Ein Klavier, eine Stimme und ein paar ziemlich unbequeme Gedanken reichen völlig.
Angst ist schließlich schon kompliziert genug. Da muss man sie nicht auch noch musikalisch aufblasen.
„Keine Angst“ Tour 2026
23.10.2026 Wiesbaden, Schlachthof
26.10.2026 Erlangen, Heinrich-Lades-Halle
27.10.2026 Stuttgart, Wagenhallen
28.10.2026 CH-Zürich, Volkshaus
30.10.2026 Düsseldorf, Stahlwerk
31.10.2026 Bremen, Pier 2
01.11.2026 Bielefeld, Lokschuppen
07.11.2026 Berlin, Tempodrom
27.11.2026 Leipzig, Haus Auensee
28.11.2026 Hamburg, Inselpark Arena
18.12.2026 Köln, Palladium
19.12.2026 München, Zenith
20.12.2026 AT-Wien, Gasometer
Text: Dennis Kresse
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