Alles auf Kraan: Alterswerk? Von wegen – dieses Trio spielt Zukunft

Kraan – All inn

Es gibt Bands, die verwalten ihr Erbe. Und es gibt Kraan. Über 55 Jahre nach der Gründung meldet sich das legendäre Trio mit „All In“ zurück – und klingt dabei erstaunlich ungebremst, wach und spielfreudig.

Schon nach wenigen Takten wird klar: Hier geht es nicht um Nostalgie. „All In“ ist kein müdes Rückblick-Album, sondern ein selbstbewusstes Statement. Kraan verbinden ihren unverwechselbaren Sound aus Fusion, Rock, Jazz und Funk mit einer Leichtigkeit, die man so eher von Bands am Anfang ihrer Karriere erwartet. Alles groovt, alles fließt – und vor allem: nichts wirkt angestaubt.

Was sofort auffällt, ist die Präzision im Zusammenspiel. Jeder Ton sitzt, jede Wendung wirkt organisch. Diese Musik braucht keine Effekthascherei, weil sie aus sich selbst heraus lebt. Der typische Kraan-Sound – verspielt, rhythmisch komplex und doch zugänglich – ist jederzeit präsent, wird aber nie zur bloßen Kopie vergangener Glanztaten.

Gerade darin liegt die Stärke von „All In“: Die Band bleibt sich treu, ohne sich zu wiederholen. Stattdessen öffnen Kraan ihre Klangwelt immer wieder für neue Impulse. Mal schimmern psychedelische Farben durch, mal funkige Grooves, dann wieder jazzige Freiräume – alles elegant miteinander verwoben.

Dabei strahlt das Album eine bemerkenswerte Ruhe und Souveränität aus. Hier müssen keine musikalischen Muskeln mehr gezeigt werden. Kraan wissen längst, was sie können – und genau deshalb spielen sie so entspannt auf den Punkt.

„All In“ ist damit weit mehr als ein spätes Lebenszeichen. Es ist der Beweis, dass musikalische Relevanz keine Frage des Alters ist, sondern der Haltung. Und die stimmt bei Kraan noch immer bis ins Detail.

Wer also glaubt, Fusion sei ein Kapitel der Vergangenheit, sollte dieses Album hören. Kraan zeigen eindrucksvoll, dass ihre Geschichte noch lange nicht zu Ende erzählt ist.

Text: Dennis Kresse

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