Zwischen Wut und Würde: Brandstiftung von Deine Nachbarn!

Mit ihrem Debütalbum „Brandstiftung“ legen Deine Nachbarn ein Werk vor, das seinen Titel programmatisch versteht – jedoch weniger als Aufruf zur Eskalation denn als Versuch, Denkgewohnheiten in Brand zu setzen. Erschidas Album im Februar 2026 über Dackelton Records, produziert von Christian Schilgen (Ex-Egotronic).

Schon die vorab veröffentlichte Single „Kaufland“ deutete an, wohin die Reise geht: Weg vom Dauerfokus auf Eliten, Empörungsfiguren und Selbstdarsteller – hin zu den Unsichtbaren des Alltags. Brandstiftung führt diesen Gedanken konsequent fort. Die Songs kreisen um Arbeit, Entfremdung, soziale Schieflagen und die Frage, woran sich gesellschaftlicher Wert eigentlich bemisst. Wer bekommt Aufmerksamkeit – und wer hält den Laden am Laufen?

Textlich agiert die Band direkt, ohne sich in plakativen Parolen zu verlieren. Deine Nachbarn beobachten, benennen und pointieren. Es geht um monotone Erwerbsarbeit, um das Gefühl, austauschbar zu sein, um politische Sprachlosigkeit und um den Wunsch nach einem „richtigen Leben“ jenseits von Leistungsdruck. Dabei bleibt immer ein Rest Hoffnung: Solidarität statt Zynismus, Würde statt Dauerironisierung.

Musikalisch bewegt sich das Album zwischen Indie-Punk, kantigem Pop und einem Hauch NDW-Referenz. Knarzige Gitarren treffen auf eingängige Refrains, die schnell ins Ohr gehen, ohne beliebig zu wirken. Die Produktion ist klar und druckvoll, lässt den Songs aber genug Rauheit, um glaubwürdig zu bleiben. Man hört, dass hier kein glattpoliertes Produkt entstehen sollte, sondern ein Album mit Haltung.

Brandstiftung ist kein lärmendes Manifest, sondern eine konzentrierte Bestandsaufnahme. Deine Nachbarn formulieren Unbehagen, ohne in Resignation zu verfallen. Das Debüt wirkt geschlossen, thematisch stringent und musikalisch eigenständig – eine Platte, die nicht nur Kritik äußert, sondern Empathie einfordert.

Am Ende brennt hier weniger die Welt als vielmehr der Wunsch, sie anders zu betrachten. Und genau darin liegt die Stärke dieses Albums.

Text: Dennis Kresse

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