Mit „Asphalt und Sand“ liefern Buhai keine reine Großstadtplatte ab, sondern eine Sammlung von Momentaufnahmen zwischen Melancholie, Beobachtung und Hoffnung. Im Gespräch geht es um Berliner Straßenbäume, kreative Freiheit im Proberaum, das Älterwerden – und darum, warum man sich seine Musik am Ende eben nicht aussucht. Wir haben mit Sängerin Meryem Kiliç gesprochen.
„Asphalt und Sand“ klingt nach Gegensätzen – Stadt und Vergänglichkeit. Was war zuerst da: der Titel oder das Gefühl dahinter?
Auf jeden Fall das Gefühl. Es ist ja auch der Titel von einem Song auf dem Album. Der Text ist geschrieben aus Sicht eines Straßenbaumes. Auf das Thema bin ich gekommen, nachdem ich mal im Radio einen Bericht darüber gehört habe, wie schlecht es allgemein den Berliner Stadtbäumen geht. Hitze, Trockenheit, der wenige Platz und auch menschlicher Urin setzen den armen Bäumen ganz schön zu und viele sind in einem schlechten Zustand. Damals ist mir sofort durch den Kopf gegangen, wie unglaublich trostlos die Stadt ohne Bäume wäre. Also wollte ich dem Berliner Stadtbaum damit mal was zurück geben und habe ihm quasi eine kleine Hymne geschrieben.
Eure Texte kreisen stark um Entfremdung und Lebensmitte – schreibt ihr aus konkreten Momenten heraus oder eher aus einer Grundstimmung?
Beides. Wir sind jetzt alle in einer Lebensphase angekommen, wo man viel reflektiert und sich Gedanken darüber macht, wie man die nächste Lebenshälfte so gestalten will. Das klingt, als wären wir schon furchtbar alt. Aber es ist ja nun mal so, dass wir mittlerweile alle schon ein bisschen Vergangenheit angesammelt haben und das, was an Zukunft noch da ist, will ja bestmöglich gestaltet werden. Da kommt man schon ins Grübeln und der ein oder andere Songtext kann dabei dann gut rum kommen.
Ihr verbindet Schwere mit Leichtigkeit, ohne ins Pathetische zu kippen – wie schwer ist es, genau diese Balance zu halten?
Ich empfinde es nicht als besonders schwer. Es ist eben unser Stil, unsere Art mit den Dingen umzugehen und auch unsere musikalische Vorliebe.
Berlin ist bei euch mehr als nur Kulisse. Ist die Stadt eher Inspiration oder auch mal Belastung?
Da kann ich nur für mich sprechen weil wir da glaube ich bandintern unterschiedlich fühlen. Ich empfinde die Stadt eigentlich nicht als so große Belastung. Also manchmal bin ich natürlich schon genervt von dem Lärm meinetwegen, dem Müll, den vielen fertigen Leuten. Aber oft finde ich die Stadt auch einfach nur interessant und skurril. Und natürlich aufregend. Neulich habe ich zum Beispiel eine richtige Verfolgungsjagd miterlebt. Also wie im Tatort war das, so richtig mit quietschenden Reifen und Polizei die hinter dem Ganoven her rennt. Fand ich in dem Moment natürlich auch beängstigend und es ist jetzt nicht so, dass ich Wert darauf lege, in so was hinein zu geraten. Aber ich dachte mir dann anschließen so: Aha, hast du das jetzt auch mal erlebt. Da war das Album aber schon fertig geschrieben und ich konnte da noch keinen Song drüber machen.
Musikalisch bewegt ihr euch zwischen Kraut, Chanson und Synth-Pop – wie viel davon ist bewusst gesetzt und wie viel passiert im Proberaum?
Fast alles passiert einfach spielerisch weil wir so viel Spaß dran haben, verschiedene Sachen zu probieren. Und natürlich schreiben vier unterschiedliche Leute mit verschiedenen Vorlieben die Songs. So entsteht dann diese Mischung.
Eure Arrangements wirken oft verspielt, fast komplex – habt ihr keine Angst, damit Hörer:innen zu verlieren?
Eigentlich nicht aber jetzt wo du es sagst….Nein, uns ist schon klar, dass wir mit unserer Musik nicht in der Schlager Hitparade spielen können. Aber ich hab neulich gelernt: Man kann nichts für die Musik, die man macht.
Nach dem Debüt: Was habt ihr euch für das zweite Album bewusst „verboten“, um nicht einfach weiterzumachen wie bisher?
Da fällt mir nichts ein. Ich glaube es wurden keine Verbote ausgesprochen. Eher im Gegenteil, wir sind viel weniger streng miteinander als früher und erlauben einander einiges. Also jeder darf sich mit seinem Instrument und seinen Ideen so einbringen wie er es fühlt und es gibt relativ selten die Situation, dass jemand „Veto“ schreit.
Die Zusammenarbeit mit Produzenten wie Ekki Maas und Bob Spencer – wie sehr verändern solche Außenperspektiven euren Sound?
An unserem Grundsound ändert das erst mal nichts. Den bringen wir als Band und ja schon mit uns Studio. Aber hier und da gibt ist es wichtig, noch eine weitere Perspektive zu haben wenn es um kreative Entscheidungen geht, um die Arrangements oder ums Mixing. Aber wir bringen schon viel mit. Ich glaube, so richtig austoben konnten sich die Produzenten bei uns bisher nicht.
Eure Songs haben oft etwas Beobachtendes, fast Filmisches – denkt ihr beim Schreiben eher in Bildern oder in Musik?
Mal so mal so. Bilder, Klänge, Stimmungen, Atmosphäre. Mal ist das eine zuerst da, mal das andere. Das ist nicht bei jedem Song gleich. Manchmal ist auch zuerst der Text da und dann die Musik und manchmal genau anders herum.
Wenn „Asphalt und Sand“ eine Momentaufnahme ist: Ist das eher ein Ankommen oder ein weiterer Übergang?
Ich hoffe ein Übergang.
Vielen Dank für das nette Gespräch.
Fragen: Dennis Kresse
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