**Zappa Goes Down – Das Menü für den Einstieg in Frank Zappas Wahnsinn**

Es gibt zwei Arten von Menschen: Die einen hören Frank Zappa. Die anderen behaupten, sie wollten das schon immer mal tun, wissen aber nicht, wo sie anfangen sollen. Für die zweite Gruppe gibt es jetzt wieder **„ZAPPAtite – Frank Zappa’s Tastiest Tracks“**, das pünktlich zum zehnten Geburtstag erstmals auf Vinyl erscheint.

Vorweg: Das hier ist weder ein Greatest-Hits-Album noch ein Best-of. Beides wäre bei Frank Zappa ungefähr so sinnvoll wie eine Drei-Gänge-Diät auf dem Oktoberfest. Dafür war sein Werk schlicht zu umfangreich, zu widerspenstig und zu genial. 62 Alben zu Lebzeiten, mehr als 70 weitere nach seinem Tod – wer sich da einen Überblick verschaffen möchte, braucht entweder viel Freizeit oder eben diese Compilation.

Die Idee dahinter ist ebenso simpel wie charmant. Ahmet Zappa und Archivchef Joe Travers servieren 18 Stücke als musikalisches Menü – von der Vorspeise bis zum Dessert. Das hätte bei vielen Künstlern schnell nach Marketing-Gag gerochen. Bei Zappa funktioniert es erstaunlich gut. Schließlich war Essen in seinem Kosmos ohnehin nie weit von Musik entfernt.

Los geht es mit Klassikern wie **„I’m The Slime“** und **„Dirty Love“**, bevor mit **„Peaches En Regalia“**, **„Joe’s Garage“**, **„Cosmik Debris“**, **„Don’t Eat The Yellow Snow“** oder **„Zoot Allures“** praktisch jede wichtige Schaffensphase zumindest kurz anklopft. Natürlich darf auch **„Bobby Brown Goes Down“** nicht fehlen – jener Song, den hierzulande fast jeder kennt, obwohl erstaunlich viele Menschen bis heute nicht genau wissen, worüber sie da eigentlich seit Jahrzehnten fröhlich mitsingen.

Das Schöne an **„ZAPPAtite“** ist, dass die Compilation nicht versucht, Zappa zu erklären. Das wäre ohnehin ein aussichtsloses Unterfangen. Stattdessen macht sie Lust darauf, tiefer einzutauchen. Denn wer nach **„Peaches En Regalia“** oder **„Joe’s Garage“** nicht neugierig wird, dem ist vermutlich auch mit einem kompletten Zappa-Regal nicht mehr zu helfen.

Klanglich gibt es ohnehin nichts zu meckern. Die Neuauflage wirkt hochwertig, die Vinyl-Ausgabe mit Klappcover und augenzwinkernder Speisekarte ist ein liebevoll gestaltetes Sammlerstück. Dass das Ganze auch wieder auf CD erscheint, dürfte diejenigen freuen, die Musik lieber hören als Platten wenden.

Bleibt die Frage: Braucht die Welt zehn Jahre nach der Erstveröffentlichung noch einmal **„ZAPPAtite“**? Ja. Weil Frank Zappa leider nicht einfacher geworden ist. Und weil jede Generation ihren eigenen Einstieg in dieses musikalische Paralleluniversum verdient.

Wer Zappa bereits liebt, wird die Platte ohnehin kaufen. Wer ihn bisher nur auf **„Bobby Brown Goes Down“** reduziert hat, bekommt hier das vielleicht schmackhafteste Einstiegsmenü der Rockgeschichte serviert. Guten Appetit – und Vorsicht: Zappa macht schneller süchtig als jede Diät scheitern kann.

Text: Dennis Kresse

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