You Can’t Get What You Want – Joe Jackson probiert es trotzdem!

Mit Hope and Fury meldet sich Joe Jackson zurück – und das mit einem Album, das seinem Titel alle Ehre macht. Zwischen Zuversicht und Zorn, Melodie und Bruch, Eleganz und Reibung pendelt diese Platte ständig hin und her. Und genau darin liegt ihr Reiz.

Jackson wäre nicht Jackson, wenn er sich auf einen Stil festlegen würde. Auch hier springt er mühelos zwischen New Wave, Jazz, Pop und fast schon klassisch anmutenden Momenten. Mal klingt das verspielt und leichtfüßig, dann wieder überraschend kantig. Es ist diese Unberechenbarkeit, die seine Musik seit jeher auszeichnet – und die auch „Hope and Fury“ trägt.

Textlich zeigt sich Jackson gewohnt wach und bissig. Seine Beobachtungen sind präzise, oft ironisch gebrochen und nie ohne Haltung. Dabei wirkt er weniger wütend als früher, eher nachdenklich – aber keineswegs versöhnlich. Die „Fury“ ist noch da, nur subtiler dosiert.

Musikalisch überzeugt das Album vor allem in seinen stärkeren Momenten: wenn eingängige Melodien auf unerwartete Wendungen treffen oder Songs plötzlich die Richtung wechseln, ohne auseinanderzufallen. Gleichzeitig gibt es Passagen, die etwas zu gewollt wirken, fast so, als wolle Jackson unbedingt zeigen, wie viel noch in ihm steckt. Nicht jeder Stilbruch zündet.

Und doch: Gerade diese Unebenheiten machen den Reiz aus. „Hope and Fury“ ist kein glattpoliertes Spätwerk, sondern ein lebendiges, manchmal widersprüchliches Album eines Künstlers, der sich nie wirklich angepasst hat.

„Hope and Fury“ ist kein Comeback im klassischen Sinne, sondern ein weiteres Kapitel in einer ohnehin unberechenbaren Karriere. Joe Jackson bleibt sich treu – im Zweifel lieber unbequem als egal. Und das ist 2026 vielleicht mehr wert denn je.

Text: Dennis Kresse

Erzählt von uns: Facebooktwitterby feather