Manchmal ist es ja so eine Sache mit der Nostalgie. Sie kann wärmen, aber auch ziemlich schnell nach Mottenkugeln riechen. Bei Fury in the Slaughterhouse ist das erfreulicherweise anders. Die Hannoveraner haben am Mittwochabend auf dem Bonner Kunst!Rasen einmal mehr bewiesen, dass man Erinnerungen nicht einfach nur ausstellen muss. Man kann sie auch ordentlich laut machen.
Nach dem großen Fury-Auftritt im vergangenen Jahr vor rund 8.000 Menschen war die Wiederholung eigentlich keine besonders gewagte Idee. Und so stand am 26. August erneut „Fury Live Twenty Six“ auf dem Programm.
Den Abend eröffnete Pohlmann. Der Singer-Songwriter brachte mit „Star Wars“ oder „Wenn jetzt Sommer wär“ genau jene Mischung aus Melancholie, Mitsingmomenten und sympathischer Unaufgeregtheit mit, die als Auftakt ziemlich gut funktionierte. Pohlmann braucht keine große Rockpose. Ein paar Akkorde, eine markante Stimme und Geschichten, die irgendwo zwischen Lagerfeuer und Lebenskrise hängen bleiben, reichen völlig. Mit seinem neuen Album kommt er im Herbst auf Deutschland Tour.
Dann Fury. Und die machten ziemlich schnell klar, dass sie nicht gekommen waren, um ihr eigenes Museum zu eröffnen.
„9 Lives“, „Milk and Honey“, „Letter to Myself“ und natürlich „Radio Orchid“ sorgten zunächst für die passende Dosis Fury-Gefühl. Kai Wingenfelder und seine Mitstreiter wechselten dabei ziemlich mühelos zwischen treibendem Rock und den leiseren Momenten. Bei „Sorrowland“ wurde es akustisch, mit „When I’m Dead and Gone“ gab es einen charmanten Ausflug ins Cover-Repertoire, aber diese McGuiness/Flint Nummer ist schon lange im Oeuvre von Fury in the Slaughterhouse untergebracht und fühlt sich da sehr wohl.
Und dann waren da natürlich die großen Nummern. „Viva La Revolution“, „Every Generation Got Its Own Disease“, „Rain Will Fall“, „Kick It Out“ und „Youth Is Wasted on the Young“ – wobei gerade letzterer Titel im Publikum vermutlich bei einigen eine gewisse biografische Trefferquote hatte.
Fury können eben beides: die alten Songs so spielen, dass sie nicht nach Pflichtprogramm klingen, und gleichzeitig zeigen, dass eine Band nach Jahrzehnten nicht zwangsläufig langsamer werden muss und mit „Party Girl/Run faster Pussycat“ gab es sogar was für die ganz alten Fury Fans.
„Won’t Forget These Days“ war entsprechend weniger Rückblick als gemeinsames Erinnern. Spätestens bei „Time to Wonder“ sang der Kunst!Rasen ohnehin ziemlich geschlossen mit.
Zwei Zugaben später war dann mit „Goodbye So Long“ und „Sister Moon“ endgültig Schluss. Wobei „Goodbye So Long“ bei Fury ja bekanntlich immer ein wenig nach „Vielleicht doch noch ein Lied?“ klingt.
Und so bleibt ein Abend, der ziemlich genau das eingelöst hat, was Fury versprochen hatten: feiern, singen, tanzen. Oder, um Kai Wingenfelder sinngemäß zu folgen: Zu alt zum Aufhören sind sie offensichtlich noch lange nicht.
Bonn wird diese Tage jedenfalls so schnell nicht vergessen,
Fury in the Slaughterhouse – Setlist vom Kunst!Rasen Bonn
1. Changes
2. 9 Lives
3. Milk and Honey
4. Letter to Myself
5. Radio Orchid
6. Why Worry?
7. Lost and Found
8. Haunted Head and Heart
9. Sorrowland (acoustic)
10. When I’m Dead and Gone (McGuinness Flint Cover)
11. Viva La Revolution
12. Every Generation Got Its Own Disease
13. Fix This Crack
14. Trapped Today, Trapped Tomorrow
15. Rain Will Fall
16. Party Girl / Pussycat Run
17. Kick It Out
18. Youth Is Wasted on the Young
19. Won’t Forget These Days
**Zugabe**
20. Won’t Forget These Days Reprise
21. Years of Thunder
22. Time to Wonder
**Zweite Zugabe**
23. Goodbye So Long
24. Sister Moon
Text: Dennis Kresse
Erzählt von uns: