Es beginnt nicht mit einem Plan, sondern mit einem Aufeinandertreffen. Drei Musiker, ein Raum, ein Moment – und daraus entsteht mit „Singülar“ ein Debüt, das weniger nach klassischem Album als nach festgehaltenem Augenblick klingt. Pascal Schumacher, Sebastian Studnitzky und Edward Perraud begegnen sich hier nicht als eingespieltes Kollektiv, sondern als Suchende – und genau das macht den Reiz dieser Aufnahme aus.
Die oft zitierte Referenz zu Bitches Brew von Miles Davis ist durchaus berechtigt – allerdings nicht als Kopie, sondern als Haltung. Auch Singülar setzen auf das Unvorhersehbare, auf das bewusste Loslassen von Struktur zugunsten von Atmosphäre. Jazz ist hier kein Genre mehr, sondern ein Ausgangspunkt, von dem aus sich Ambient-Flächen, elektronische Impulse und fragile Klangräume entfalten.
Dabei lebt das Album von seiner Spannung zwischen Intuition und Kontrolle. Vibraphon, Trompete, Synthesizer und Schlagzeug greifen ineinander, lösen sich wieder, treiben sich gegenseitig an. Nichts wirkt überproduziert, vieles bleibt roh – und gerade darin liegt die Kraft. Man hört keine fertigen Kompositionen, sondern Prozesse. Musik im Werden.
Der zentrale Track „Liaima“ funktioniert dabei wie ein Herzschlag des Albums: pulsierend, suchend, fast hypnotisch. Hier verdichtet sich das, was Singülar ausmacht – ein kollektives Atmen, ein Vertrauen ins Ungeplante. Klang wird zur Bewegung, Struktur zur Nebensache.
Ganz anders „La Fin d’un Monde“: eine leise, melancholische Reflexion über Abschied und Neuanfang. Der Titel ist Programm – hier wird nicht dramatisch beendet, sondern vorsichtig übergeleitet. Ein Stück, das zwischen den Welten schwebt und genau dort seine Schönheit entfaltet.
„Singülar“ ist kein Album für den schnellen Konsum. Es fordert Aufmerksamkeit, Geduld – und die Bereitschaft, sich treiben zu lassen. Wer sich darauf einlässt, erlebt keine Sammlung von Songs, sondern eine gemeinsame Erfahrung dreier Musiker, die im Moment zueinanderfinden und so soll es auch sein.
Text: Dennis Kresse
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