Triggerfinger – Tarmac: Wieder Asphalt unter den Füßen

Triggerfinger haben sich eine Auszeit genommen. Eine ziemlich lange sogar. Aus zwei Jahrzehnten nahezu permanenter Tourerei wurde erst eine geplante Pause, dann kam eine Pandemie dazwischen und schließlich verabschiedete sich auch noch Bassist Monsieur Paul. Andere Bands hätten das Kapitel vermutlich irgendwann zugeschlagen. Triggerfinger fahren stattdessen wieder auf die Straße. „Tarmac“ heißt das neue Album – und der Titel passt erstaunlich gut.

Denn hier geht es nicht um ein müdes „Wir sind wieder da“, sondern um die Lust, wieder gemeinsam Lärm zu machen. Ruben Block und Mario Goossens haben sich in Los Angeles mit Produzentenlegende Mitchell Froom getroffen und dabei bewusst ein paar vertraute Abzweigungen links liegen lassen. Das Ergebnis klingt nach Triggerfinger, ohne sich damit zufriedenzugeben, einfach wieder Triggerfinger von früher sein zu wollen.

„Tarmac“ hat diesen dreckigen, körperlichen Rock, für den man die Belgier schätzt. Gitarren dürfen knarzen, das Schlagzeug darf drücken und Ruben Blocks Stimme bleibt irgendwo zwischen lässiger Coolness und kontrolliertem Wahnsinn. Gleichzeitig wirkt das Album erstaunlich offen. Die Songs stehen nicht permanent mit beiden Füßen auf dem Verzerrerpedal, sondern lassen auch Raum für Atmosphäre, Groove und kleine musikalische Umwege.

Genau darin liegt die Stärke dieser Platte. Triggerfinger versuchen nicht, ihre eigene Vergangenheit zu kopieren. Sie nehmen das, was sie können, und schauen, was passiert, wenn man ein bisschen daran rüttelt. Froom soll die beiden ausdrücklich dazu gebracht haben, beim Schreiben andere Wege auszuprobieren und sich auf musikalisches Neuland einzulassen. Man hört diese Offenheit.

Natürlich bleibt „Tarmac“ Rockmusik. Keine Sorge, die Belgier haben nicht plötzlich beschlossen, Ambientplatten für Menschen mit Räucherstäbchen zu machen. Aber es ist Rock mit Erfahrung. Und Erfahrung bedeutet hier nicht Altersmilde, sondern zu wissen, wann man aufs Gaspedal tritt – und wann man den Motor einfach mal laufen lässt.

Nach der langen Pause klingt Triggerfinger deshalb nicht wie eine Band, die zurückkommt. Eher wie eine Band, die wieder Lust bekommen hat, loszufahren.

Und plötzlich ist wieder ordentlich Asphalt unter den Füßen.

Im Oktober auf Tour

14.10 Sud, BASEL (CH)
15.10 Albani Music Club, WINTERTHUR (CH)
16.10 ISC Club, BERN (CH)
17.10 Strom, MÜNCHEN
22.10 Logo, HAMBURG
23.10 Frannz Club, BERLIN
29.10 Wuk, WIEN (AU)
31.10 Conrad Sohm, DORNBIRN (AU)
02.11 Schlachthof, WIESBADEN
03.11 Naumanns, LEIPZIG
04.11 Cafe Glocksee, HANNOVER
05.11 Lagerhaus, BREMEN
19.11 Gleiss 22, MÜNSTER
02.12 Zakk, DÜSSELDORF
03.12 Gebaude 9, KÖLN

Text: Dennis Kresse

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