25 Jahre Tir Nan Og – das ist eine beachtliche Wegstrecke für eine Band, die sich dem Irish Folkrock verschrieben hat. Zum Jubiläum veröffentlichen die Musiker mit „Call of the Void“ ihr neues Studioalbum und zeigen, dass sie ihren Stil nicht einfach nur verwalten wollen. Natürlich bleibt der typische Mix aus keltischen Melodien, Folk-Instrumentierung und rockiger Energie das Fundament. Doch die Platte bietet mehr als die üblichen Zutaten für einen feuchtfröhlichen Abend im Pub.
Tir Nan Og verstehen es, unterschiedliche Stimmungen miteinander zu verbinden. Auf der einen Seite stehen die mitreißenden Folkrock-Nummern, die gerade live ihre Wirkung entfalten dürften und zum Mitsingen einladen. Auf der anderen Seite finden sich ruhigere, nachdenklichere Momente, die dem Album etwas mehr Tiefe verleihen. Dazwischen sorgen druckvolle Rock-Riffs für die nötige Erdung. Nicht jede stilistische Wendung überrascht, aber die Mischung wirkt über weite Strecken angenehm abwechslungsreich. Die Band weiß schließlich, wo ihre musikalischen Wurzeln liegen, und muss niemandem mehr beweisen, dass sie auch ohne Stromanschluss eine gute Figur machen würde.
Besonders interessant wird es zum Schluss: Die symphonische Fassung von „The Wanderings of Oisin“ hebt einen Klassiker der Band in ein neues Klanggewand. Keltisches Geschichtenerzählen trifft auf opulente Orchesterarrangements. Das Ergebnis verleiht dem Stück eine zusätzliche Dimension und bildet einen gelungenen, durchaus eindrucksvollen Abschluss. Hier zeigt sich, dass Tir Nan Og ihren Folkrock nicht ausschließlich auf die vertraute Pub-Kulisse reduzieren möchten.
Auch die Veröffentlichung selbst hat einen kleinen nostalgischen Dreh. Neben Vinyl gibt es „Call of the Void“ auf einem USB-Stick im Design einer klassischen Musikkassette. Eine nette Idee, die Retro-Charme und digitale Gegenwart verbindet und zusätzlich exklusives Material bereithält. Ob man dafür gleich den alten Kassettenrekorder aus dem Keller holt, bleibt jedem selbst überlassen.
„Call of the Void“ ist kein radikaler Neuanfang, sondern ein Album, das die Stärken von Tir Nan Og bündelt und an einigen Stellen erweitert. Die Mischung aus Folk, Rock und orchestraler Größe funktioniert, auch wenn nicht jede Passage Neuland betritt. Zum 25-jährigen Bestehen ist das eine durchaus runde Visitenkarte – und ein Beleg dafür, dass diese Band noch einiges zu erzählen hat.
Text: Dennis Kresse