Bach kann grooven – Wenn der alte Meister plötzlich Jazz im Blut hat

Kammerjazz Kollektiv – „Well-Tempered & Good-Humoured“

Johann Sebastian Bach und Jazz? Was zunächst nach einer Begegnung klingt, bei der sich zwei musikalische Welten erst einmal vorsichtig beschnuppern müssten, entpuppt sich beim Kammerjazz Kollektiv als ausgesprochen vergnügliche Angelegenheit. Auf „Well-Tempered & Good-Humoured“ nimmt sich das Quartett die Kompositionen des großen Barockmeisters vor und verpasst ihnen eine Frischzellenkur, die gewaschen ist. Keine Angst vor großen Namen, lautet offenbar die Devise.

Dabei geht es keineswegs darum, Bach mit ein paar swingenden Rhythmen oberflächlich aufzupeppen. Das Kammerjazz Kollektiv versteht sein Handwerk und begegnet den Kompositionen mit dem nötigen Respekt, aber auch mit einer gehörigen Portion musikalischer Frechheit. Klassische Kammermusik trifft auf jazzige Improvisationen, lateinamerikanische Grooves sorgen für ordentlich Bewegung und virtuose Passagen zeigen, dass hier vier Musiker am Werk sind, die sich gegenseitig nichts schenken müssen.

Besonders reizvoll ist das Zusammenspiel der unterschiedlichen Klangwelten. Die Eleganz und Struktur von Bachs Musik bleiben erhalten, werden aber immer wieder aufgebrochen, erweitert und in neue Richtungen gelenkt. Mal verspielt und leichtfüßig, dann wieder rhythmisch kraftvoll und voller Energie. Dabei entsteht eine Musik, die sich weder in der Klassik noch im Jazz gemütlich einrichten möchte. Warum auch? Die schönsten musikalischen Begegnungen passieren schließlich dort, wo sich vermeintliche Gegensätze auf Augenhöhe begegnen.

„Well-Tempered & Good-Humoured“ ist ein Album für offene Ohren und Menschen, die musikalische Scheuklappen lieber im Schrank lassen. Klassikfreunde dürften ihre Freude an den raffinierten Arrangements haben, Jazzfans an den Freiräumen für Improvisationen und alle anderen daran, wie selbstverständlich hier musikalische Grenzen verschwimmen.

Das Kammerjazz Kollektiv beweist, dass Bach auch Jahrhunderte später noch erstaunlich wandlungsfähig ist. Der alte Johann Sebastian hätte vermutlich seine Freude daran gehabt. Und vielleicht sogar ein kleines Tänzchen gewagt.

Text: Pressemitteilung