Sweet Is Like Oxygen – Viel zu schade für die Sammlervitrine

Es gibt diese Platten, von denen jeder Fan behauptet, sie seien ein Geheimtipp. Meistens stimmt das nicht. Bei „The Answer“ von Sweet allerdings schon. Jahrelang war das Album praktisch nur noch unter Sammlern zu finden. Jetzt ist es endlich wieder erhältlich – und man fragt sich unweigerlich, warum diese Songs so lange im Archiv verschwinden mussten.

Gemeinsam mit einer hochkarätigen Besetzung um Mal McNulty (Slade), Bodo Schopf (Eloy, Michael Schenker Group), Jeff Brown (Wildfire) und Steve Mann (MSG, Lionheart) gelang Andy Scott ein Kunststück, an dem viele Altrocker scheitern: Die Vergangenheit zu respektieren, ohne sie zu kopieren.

„The Answer“ ist kein verzweifelter Versuch, die Siebziger wiederzubeleben. Statt Plateauschuhen regieren knackige Hard-Rock-Riffs, kraftvolle Melodien und eine Produktion, die den Metal-Einflüssen der frühen Neunziger durchaus offen gegenübersteht. Trotzdem bleibt jeder Song unverkennbar Sweet. Diese Mischung aus eingängigen Refrains, mehrstimmigen Gesängen und riffbetontem Rock besitzt nach wie vor einen hohen Wiedererkennungswert.

Gerade deshalb wirkt das Album heute erstaunlich zeitlos. Es ist härter als die Glam-Klassiker, melodischer als viele Metal-Veröffentlichungen seiner Zeit und beweist eindrucksvoll, dass Andy Scott nie nur vom Ruhm vergangener Tage gelebt hat.

Dass „The Answer“ jahrelang praktisch nur unter Sammlern gehandelt wurde, gehört zu den kleinen Ungerechtigkeiten der Rockgeschichte. Umso erfreulicher ist die Neuveröffentlichung auf CD und Vinyl. Sie gibt einem Album die Aufmerksamkeit zurück, die es eigentlich schon vor über 30 Jahren verdient gehabt hätte.

Wer Sweet ausschließlich über ihre großen Siebziger-Hits definiert, kennt nur die halbe Wahrheit. „The Answer“ zeigt eine Band, die gereift ist, ohne ihre DNA zu verlieren. Keine nostalgische Pflichtübung, sondern ein erstaunlich frisches Hard-Rock-Album mit Glam-Herz.

Text: Dennis Kresse

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