Schwer, dunkel, verdammt souverän: The Quill liefern mit „Master Of The Skies“ ein schweres Brett mit Charakter

Es gibt Bands, die versuchen, mit jedem neuen Album jünger zu wirken als sie eigentlich sind. Und dann gibt es The Quill. Die Schweden machen auf „Master Of The Skies“ exakt das Gegenteil – und genau darin liegt die Stärke dieser Platte.

Keine peinlichen Modernisierungsversuche, keine kalkulierten TikTok-Riffs, keine anbiedernde Retro-Show. Stattdessen liefern The Quill ein Album ab, das klingt wie eine Band, die seit Jahrzehnten weiß, was sie kann – und keinerlei Lust verspürt, sich dafür zu entschuldigen.

Schon nach wenigen Minuten wird klar: „Master Of The Skies“ ist kein Album für schnelle Aufmerksamkeit. Diese Songs wollen nicht gefallen, sie wollen wirken. Schwer rollende Grooves treffen auf staubtrockene Riffs, darüber liegt eine düstere Grundstimmung, die der Platte eine angenehm raue Tiefe verleiht. Das Ganze klingt erdig, organisch und erstaunlich hungrig für eine Band, die längst Veteranenstatus erreicht hat.

Besonders stark ist dabei die Balance zwischen Wucht und Atmosphäre. Viele aktuelle Heavy-Rock-Alben verwechseln „schwer“ mit stumpfem Dauerlärm. The Quill hingegen verstehen, dass Groove oft härter zuschlägt als bloße Lautstärke. Die Songs atmen, schleppen sich majestätisch voran und entwickeln genau dadurch diesen dunklen Sog, der sich langsam festsetzt.

Dabei schwingt immer wieder der Geist klassischer 70er- und 90er-Hardrock-Schulen mit, ohne dass die Platte jemals wie eine Nostalgieübung wirkt. The Quill zitieren ihre Einflüsse nicht – sie haben sie längst verinnerlicht. Das macht „Master Of The Skies“ angenehm zeitlos.

Vor allem aber hört man diesem Album an, dass hier niemand Musik macht, weil Algorithmen neues Material verlangen. Diese Platte wirkt ehrlich erarbeitet. Jede Nummer klingt nach Proberaum, Schweiß, Röhrenverstärker und einer Band, die Heavy Rock immer noch ernst nimmt.

Natürlich erfindet das Album das Genre nicht neu. Muss es aber auch gar nicht. „Master Of The Skies“ funktioniert gerade deshalb so gut, weil The Quill keinerlei Interesse daran haben, etwas anderes zu sein als sie selbst.

Und manchmal ist genau das die überzeugendste Haltung, die eine Rockband heute noch haben kann.

Text: Dennis Kresse

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