Zehn Jahre nach den ersten Aufnahmen im eigenen Zimmer steht Saguru an einem entscheidenden Wendepunkt. Mit der neuen Single „The Storm“ beginnt die Reise zum lang erwarteten Debütalbum, das Ende November erscheinen wird. In den vergangenen Jahren hat sich das Projekt von einer persönlichen Idee zu einer festen Größe der deutschen Indie-Szene entwickelt – mit Millionen Streams, TV-Auftritten, Festivalshows und einer stetig wachsenden Fangemeinde. Im Gespräch mit soundchecker.koeln blickt Saguru auf die vergangenen zehn Jahre zurück, spricht über Wachstum, Veränderung und die Vision für die Zukunft.
1. Zehn Jahre Saguru – wenn du heute auf den Moment zurückblickst, als du das Projekt allein in deinem Zimmer gestartet hast: Was würde dein damaliges Ich am wenigsten glauben, wenn du ihm erzählen würdest, wo du heute stehst?
Da gibt es so viele Dinge: TV-Auftritte, Radio-Airplay, deutschlandweite und internationale Konzerte. All das schien lange wie ein unerreichbarer Traum. Doch das Wichtigste war und ist für mich, mit Freunden auf der Bühne zu stehen und die gemeinsame Leidenschaft für Musik zu teilen.
2. Du hast einmal gesagt, dass „Saguru“ weniger für dich als Person steht als für einen Ort, den du mit deiner Musik erschaffen wolltest. Wie sieht dieser Ort heute aus – und hat er sich in den vergangenen zehn Jahren verändert?
Es ist ein Ort, an dem jeder so sein kann, wie er ist, und an dem jedes Gefühl willkommen ist. Ein Ort der freien Entfaltung. Das Wort „Guru“ kann als „von der Dunkelheit ins Licht“ interpretiert werden. Genau diese Entwicklung hat dieser Ort erlebt und erlebt sie bis heute. Was einst ein einsamer Ort war, ist inzwischen zu einem Ort geworden, den viele Menschen mit Leben füllen.
3. Mit „The Storm“ beginnt jetzt die Reise zu eurem Debütalbum. Warum war genau dieser Song der richtige Auftakt für das bisher größte Kapitel deiner Karriere?
Das Album erzählt von einer Reise, von Wachstum, Veränderung und dem Schritt aus der Dunkelheit ins Licht. „The Storm“ bringt diese Botschaft auf den Punkt. Der Song erinnert daran, Veränderungen anzunehmen, weiterzugehen und dem Fluss des Lebens mit all seinen Höhen und Tiefen zu vertrauen. Deshalb war für uns klar, dass die Reise genau mit diesem Song beginnen sollte. Er öffnet die Tür zur Welt des Albums und lädt die Hörer*innen ein, sie gemeinsam mit uns zu betreten.
4. Viele Künstler veröffentlichen heute schon nach wenigen Singles oder EPs ein Album. Du hast dir zehn Jahre Zeit gelassen. Warum war für dich gerade jetzt der richtige Moment für ein Debütalbum gekommen?
Wir haben ja schon über die Veränderung des Ortes „Saguru“ gesprochen, und genau das fasst es gut zusammen. Im Vergleich zu früher fühle ich mich heute deutlich mehr angekommen. Das Album spiegelt alle Phasen der letzten zehn Jahre wider und ist für mich eine sehr ehrliche Zusammenfassung dieser gesamten Reise bis hierher.
5. Ihr seid mittlerweile nicht nur als Band unterwegs, sondern präsentiert eure Songs teilweise sogar mit Streicherinnen und Streichern. Wie verändert eine größere Besetzung die Atmosphäre und die Wirkung deiner Musik?
Mit einem großen Ensemble auf der Bühne zu stehen war immer die Vision und der große Traum. Dass diesen so viele wundervolle Menschen nun wahr werden lassen, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. Die Streicher*innen geben den Songs noch einmal eine ganz neue Tiefe, und es macht einfach unglaublich viel Freude. Ich merke oft, wie ich lächle, während wir zusammen Musik machen. Es ist ein sehr wohliges Gefühl, das mir zeigt: Genau das habe ich mir immer erträumt.
6. In den vergangenen Jahren wart ihr Support für Acts wie Black Sea Dahu oder Revelle, habt Festivals gespielt und seid im Fernsehen aufgetreten. Welcher dieser Momente hat sich für dich am surrealsten angefühlt?
Jeder Moment für sich war einzigartig und wundervoll, und ich bin unendlich dankbar, dass ich all das erleben durfte.
7. Deine Songs wirken oft sehr emotional und gleichzeitig hoffnungsvoll. Entstehen sie eher aus persönlichen Erfahrungen oder beobachtest du die Welt um dich herum und verwandelst diese Eindrücke in Musik?
Ich versuche eher, Gefühle zu beschreiben als direkte Geschichten zu erzählen. Die Songs entstehen aus meinen eigenen Erfahrungen, und das Schreiben hat für mich oft etwas Therapeutisches. Dabei verstärke ich Gefühle zunächst bewusst, um sie anschließend besser loslassen zu können. Auch wenn die Songs im Kern autobiografisch sind, sollen sie gleichzeitig für jede Person die Bedeutung annehmen, die ihr in dem Moment guttut und die sie gerade braucht.
8. Über 1,5 Millionen Streams, Playlist-Platzierungen und eine stetig wachsende Fanbase sind beeindruckende Zahlen. Gibt es trotzdem etwas an der heutigen Musikbranche, das dir Sorgen bereitet oder das du gerne verändern würdest?
Oh ja, da gibt es natürlich genug. Es stört mich sehr, dass versucht wird, Kunst durch all die Kennzahlen skalierbar zu machen und so zu suggerieren, dass es so etwas wie gute und schlechte Kunst gibt. Darüber hinaus gibt es natürlich jede Menge besorgniserregende Themen wie KI, Social Media, Finanzen und vieles mehr. Dennoch sollte man sich davon nicht von dem abbringen lassen, worum es im Kern geht: den Prozess des Kreierens.
9. Das Album erscheint Ende November, die Releaseshow folgt Anfang Dezember in München. Was können die Fans von diesem Abend erwarten – eher ein intimes Konzert oder eine große Feier zum zehnjährigen Bestehen von Saguru?
Es wird definitiv eine große, große Feier. Wir stehen zu siebt auf der Bühne und geben alles, um dem Publikum einen unvergesslichen Abend zu bereiten.
10. Du hast geschrieben, dass du das Gefühl hast, jetzt gehe es erst richtig los. Wo möchtest du mit Saguru in den nächsten zehn Jahren stehen, wenn wir dieses Interview zum 20-jährigen Jubiläum noch einmal führen?
Das Wichtigste ist für mich, dass ich dann immer noch glücklich bin mit dem, was ich mache, dass ich Zeit mit tollen Menschen verbringen darf, dass wir unsere musikalischen Visionen umsetzen und einfach Spaß daran haben, was wir tun.
Vielen Dank und alles Gute!
Fragen: Dennis Kresse
Credits: Jan Homeyer