Reinhard Lakomys „AËR“ bekommt zum 80. Geburtstag eine verdiente neue Runde

Elektronische Musik hat ein kleines Problem mit der Zeit. Vieles, was irgendwann einmal als futuristisch galt, klingt ein paar Jahrzehnte später ungefähr so modern wie ein Faxgerät. Bei Reinhard Lakomys „AËR“ ist das erfreulich anders. Das 1991 erschienene Album hat zwar mittlerweile auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, klingt aber nicht nach musikalischem Museumsbesuch.

Lakomys Elektronik war ohnehin nie besonders gut darin, sich brav in irgendwelche Schubladen zu legen. Während die sogenannte Berliner Schule gerne mit Sequenzern, langen Flächen und kosmischen Klangreisen hantierte, ging Lakomy einen eigenen Weg. „AËR“ verbindet elektronische Sounds mit Orchesterklängen und einer erstaunlichen Fülle an Klangfarben. Das Ergebnis ist weniger Weltall als eine ziemlich eigenwillige Reise durch die Möglichkeiten elektronischer Musik.

Und genau darin liegt der Reiz dieses Albums. Lakomy wollte offenbar nicht beweisen, dass er besonders futuristisch klingen kann. Er wollte hören, was passiert, wenn elektronische und orchestrale Klangwelten aufeinandertreffen. Das wirkt heute angenehm unaufgeregt. Kein Sound schreit „Schaut her, ich bin aus der Zukunft!“, sondern die Musik darf einfach ihre Atmosphäre entwickeln.

Natürlich hört man dem Album an, dass es 1991 entstanden ist. Aber das ist kein Makel. Im Gegenteil. „AËR“ besitzt eine eigene Klangästhetik, die nicht versucht, zeitlos zu sein. Gerade deshalb ist sie erstaunlich gut gealtert.

Anlässlich des 80. Geburtstags Reinhard Lakomys und im Gedenken an den 2013 verstorbenen Komponisten erscheint das Album nun auf seinem eigenen Label Lacky Musik erstmals in hochwertig neu gestalteter Form. Vor allem das komplett neu erstellte Artwork gibt dem Klassiker auch äußerlich eine neue Bühne.

„AËR“ ist damit keine dieser Neuauflagen, die einem mit viel Tamtam erklären müssen, warum ein altes Album plötzlich wieder wichtig ist. Die Musik erledigt das ganz alleine.

Wer elektronische Musik bislang hauptsächlich mit endlosen Synthesizer-Flächen und dem Gefühl verbunden hat, dass gleich ein Raumschiff abheben müsste, sollte Lakomy ohnehin eine Chance geben.

Denn „AËR“ fliegt auch ohne Startbahn.

Text: Dennis Kresse

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