Punk Rock – Die ganze Geschichte: Als drei Akkorde noch eine Revolution waren!

Punk ist tot. Das wurde ihm schon vor ungefähr fünfzig Jahren nachgesagt. Praktisch, denn seitdem hat er erstaunlich viel überlebt. John Robb, selbst mit The Membranes Teil dieser wilden musikalischen Gemengelage, macht sich in „Punk Rock – Die ganze Geschichte“ daran, genau dieses Phänomen auseinanderzunehmen. Wobei „auseinandernehmen“ vermutlich das passendere Verb ist als „erklären“.

Denn Robb lässt vor allem andere reden. Und was für andere. John Lydon, Lemmy, Ari Up, Mark E. Smith, Poly Styrene, Siouxsie Sioux, Malcolm McLaren – die Liste liest sich wie das Who’s Who einer Bewegung, die eigentlich gar keine sein wollte. Ihre Erinnerungen an erste Konzerte, prägende Platten, musikalische Einflüsse und die manchmal ziemlich absurden Ereignisse hinter den Kulissen machen aus dem Buch eine Oral History mit ordentlich Strom auf der Leitung.

Das Schöne daran: Robb verklärt Punk nicht zur romantischen Jugendbewegung mit Lederjacke. Hier darf es widersprüchlich, arrogant, politisch, chaotisch, kreativ und gelegentlich auch ziemlich bescheuert sein. Genau so war Punk eben. Eine Szene, die sich gegen Regeln stellte und dabei irgendwann ihre eigenen Regeln entwickelte. Das ist vielleicht einer der charmantesten Widersprüche dieser Geschichte.

Robb schaut zudem über die bekannten Namen hinaus und erzählt von den Wurzeln des Punk, seinen musikalischen Vorläufern, Mode und Politik, vom Übergang zum Post-Punk und davon, was von der ursprünglichen Energie bis heute geblieben ist. Das verhindert angenehm, dass das Buch bei den Sex Pistols stehen bleibt und die Geschichte mit „God Save the Queen“ einfach zuklappt.

„Punk Rock – Die ganze Geschichte“ ist damit kein glattgebügeltes Denkmal, sondern ein ziemlich lebendiges Stück Zeitgeschichte. Manchmal widersprechen sich die Erinnerungen, manches wirkt naturgemäß subjektiv und genau deshalb glaubwürdig. Denn bei Punk war schließlich schon damals jeder davon überzeugt, die Wahrheit gepachtet zu haben.

Zum 50. Jubiläum erscheint Robbs lange vergriffenes Standardwerk nun überarbeitet und auf Deutsch. Wer wissen möchte, warum Punk mehr war als drei Akkorde, kaputte Klamotten und schlechte Laune, kommt an diesem Buch kaum vorbei.

Und wer Punk schon immer für drei Akkorde, kaputte Klamotten und schlechte Laune hielt, sollte es erst recht lesen.

Text: Dennis Kresse

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