**Popmusik für Besserwisser (2): Ska – Wenn eine Blaskapelle plötzlich schlechte Ideen hat**

Ska ist die Musikrichtung, bei der es klingt, als hätte eine jamaikanische Blaskapelle beschlossen, heute einfach mal keine Gefangenen zu machen.

Erfunden wurde das Ganze Ende der 1950er auf Jamaika und gilt als Urgroßvater von Reggae. Man könnte auch sagen: Reggae hat irgendwann beschlossen, etwas gemütlicher zu werden – Ska war dafür viel zu hibbelig.

Ska-Fans erkennt man zuverlässig an karierten Mustern, Hosenträgern, Pork-Pie-Hüten und der festen Überzeugung, dass Stillstehen völlig überbewertet wird. Wer auf einem Ska-Konzert nur mit dem Fuß wippt, wird vermutlich höflich gefragt, ob er den Ausgang oder die Toilette sucht.

Musikalisch gilt ein ehernes Gesetz: Sobald die Bläser einsetzen, gibt es kein Zurück mehr. Trompete, Posaune und Saxofon liefern sich ein Wettrennen, während die Gitarre stoisch Offbeats spielt und der Schlagzeuger versucht, den Laden irgendwie zusammenzuhalten.

Die Texte drehen sich häufig um Freundschaft, das Leben, gesellschaftliche Themen oder einfach darum, eine möglichst gute Party zu feiern. Das alles mit einer guten Portion Optimismus. Ska ist nämlich eine der wenigen Musikrichtungen, bei der selbst Liebeskummer so klingt, als gäbe es gleich Freibier.

Auf der Bühne herrscht meist angenehmes Gedränge. Sieben Musiker gelten eher als Mindestbesetzung. Irgendjemand spielt garantiert Percussion, obwohl niemand mehr weiß, wer ihn ursprünglich eingeladen hat.

Und dann wäre da noch dieser legendäre Ruf: **“Pick it up!“** Ein Satz, der außerhalb der Ska-Welt vermutlich als freundliche Aufforderung zum Aufräumen verstanden würde, auf Konzerten aber zuverlässig den kollektiven Bewegungsapparat aktiviert.

**Fazit:** Ska ist musikalischer Espresso mit Bläsersatz. Laut, fröhlich und ansteckend. Wer nach einem Ska-Konzert noch geschniegelt aussieht, war entweder gar nicht dort – oder war der Bassist.

Text: Dennis Kresse

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