Mit „Stadt der blauen Eier – Selected Recordings and Rarities 1980 – 1981“ veröffentlicht Tapete Records eine Werkschau von Korpus Kristi, einer der heute völlig zu Unrecht weniger bekannten Band des frühen Punks in der BRD.
Gemeinsam mit The Wirtschaftswunder und Die Radierer waren Korpus Kristi Teil der sogenannten „Limburger Pest“, die Anfang der 1980er Jahre einige der eigenständigsten Veröffentlichungen der bundesdeutschen Underground-Szene hervorbrachte.
Hans Nieswandt über die Single „Stadt der blauen Eier“ (Auszug aus Angriff auf’s Schlaraffenland – Ein Deutschpunk-Mixtape):
„Der Eier-Beat ist ein klassischer Motorik-Beat der Neu!-/Klaus-Dinger-Schule. Der Bass spielt dazu exakt eine einzige Note, monoton-hypnotisch werden die Achtel damit durchgerupft. Die Gitarre rifft nicht, sondern schreddert und splittert irgendwelchen schmerzhaften, atonalen Lärm.
Der Sänger – ich nehme an, C. B. Bodenstein, vormals ein Radierer, wo er noch ganz anders sang, falls man das atemlose, beleidigte Geschrei hier als Gesang bezeichnen möchte – schimpft wie ein Rohrspatz am Rande des Nervenzusammenbruchs über die provinzielle Langweile (»überall!«) der ganz frühen Achtziger, mit ihren Scheiß-Rollerskates, Scheiß-Hamburgern, ihrem Discosound (»Du kannst dazu tanzen, oder du kannst dich fragen«).
Fragen nämlich, wer ihm bitte schön sein Ticket nach L.A. bezahlt, nach California, dort, wo der Strand ist, dort, wo seine Teenage-Göttin auf ihn wartet. Das ist alles für sich genommen schon ganz schön packend und ausgesprochen unlangweilig, wird aber plötzlich auf das nächste Level gehoben durch die für in diesem Kontext völlig unvorhersehbaren und irren Dub-Delays, die Produzent Dokoupil gezielt und punktuell einsetzt, damit psychedelische Highlights setzt und einen Gesamtsound kreiert, wie ihn damals sonst niemand hingestellt hat. Ein sagenhaftes Ding.“
Text: Pressemitteilung
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