**Overdrive – Blues mit dem Fuß auf dem Gaspedal**

Blues kann vieles sein: gemütlich, melancholisch, staubig. **„Overdrive“** hat sich für keine dieser Varianten entschieden. Zum Glück.

Das Album kommt mit elf Songs um die Ecke, die Blues, modernen Rock und eine gehörige Portion Dreck miteinander verbinden. Das klingt weniger nach gepflegter Retro-Veranstaltung und mehr nach Verstärker auf Anschlag. Oder, um es musikalisch auszudrücken: Hier ist ziemlich viel Overdrive im Spiel.

Schon der Opener **„Hell Yeah“ ** macht klar, wohin die Reise geht. Keine langen Vorreden, keine musikalische Sicherheitsleine – stattdessen Gitarren, Druck und eine Attitüde, die lieber macht als erklärt. Bis zum abschließenden **„Well“** bleibt das Album dieser Linie treu.

Das Entscheidende ist dabei die rohe Energie. **„Overdrive“** klingt nicht geschniegelt und auf Hochglanz poliert, sondern nach echter Performance. Man hört förmlich, dass hier nicht jeder kleine Kratzer nachträglich weggefeilt wurde. Und genau diese kleinen Ecken und Kanten machen den Reiz aus.

Dabei ist das Album keineswegs ein nostalgischer Ausflug in bessere Blues-Zeiten. Es nimmt die Zutaten des Blues, schickt sie durch einen modernen Rock-Verstärker und lässt sie anschließend ziemlich ungebremst auf den Hörer los.

**Fazit:** *Overdrive* ist Blues für Menschen, denen Blues manchmal zu brav ist. Elf Songs, ordentlich Druck und gerade genug Dreck unter den Fingernägeln. Wer nach dem Hören noch das Bedürfnis nach einer gepflegten Tasse Tee hat, sollte vielleicht noch einmal genauer hinhören.

Text: Dennis Kresse

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