Island, Jazz und cineastische Klanglandschaften – das klingt zunächst nach Musik, bei der man besser schon einmal eine Wolldecke bereitlegt. Doch **Mikael Máni** macht auf *„Half Sun“* erfreulicherweise mehr daraus als den üblichen Soundtrack für einen besonders nachdenklichen Sonntag.
Der isländische Gitarrist und Komponist bewegt sich zwischen Jazz, Folk und atmosphärischen Klangwelten. Seine Gitarre steht dabei nicht ständig im Mittelpunkt und muss auch nicht beweisen, wie viele Töne pro Minute möglich sind. Máni lässt sie erzählen. Mal vorsichtig, mal melancholisch, immer mit einem bemerkenswerten Gespür für Atmosphäre.
*Half Sun* klingt wie Musik, die sich Zeit nimmt. Große Gesten sind nicht nötig, dafür gibt es viele kleine Momente, die sich langsam entfalten. Lyrische Gitarrenlinien treffen auf weitläufige Soundscapes und erzeugen eine Stimmung zwischen Erinnerung und Aufbruch.
Dabei ist die nordische Melancholie zwar deutlich vorhanden, aber erfreulicherweise nicht so schwer, dass man anschließend die Heizung höher drehen muss. Máni schafft vielmehr eine angenehme Balance zwischen Licht und Schatten.
*Half Sun* ist kein Album für die schnelle Mittagspause. Es möchte gehört werden, wenn draußen die Welt etwas leiser wird. Ruhig, atmosphärisch und wunderbar unaufdringlich – Musik für alle, die nicht ständig bespaßt werden müssen.
Text: Dennis Kresse
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