Mit „Mirrorneuron 2“ setzen Syrinx Call ihr ambitioniertes Konzept fort – und treiben es hörbar weiter. Was im ersten Teil noch suchend wirkte, tritt hier deutlich selbstbewusster auf: mehr Art-Rock, mehr Progressive-Anspruch, ohne den cineastischen Kern zu verlieren.
Im Zentrum steht dabei ein Instrument, das im Rockkontext nach wie vor ein Exot ist: die Blockflöte von Volker Kuinke. Doch statt folkloristischer Spielerei wird sie hier zum stilprägenden Element – mal virtuos und orchestral, mal sphärisch entrückt, dann wieder überraschend treibend. Gerade im Zusammenspiel mit Gitarren, Keyboards und Streicherflächen entsteht eine eigenwillige Klangsprache, die sich bewusst gegen gängige Hörgewohnheiten stellt.
Die Kompositionen, maßgeblich geprägt von Jens Lueck, sind komplex, verschachtelt, oft sperrig – aber nie beliebig. Stücke wie „Organic Embodiment“ zeigen, wie selbstverständlich hier mit Brüchen, Tempo- und Tonartwechseln gearbeitet wird. Das verlangt Aufmerksamkeit, belohnt aber mit Tiefe.
Gesanglich sorgen Isgaard und Doris Packbiers für emotionale Erdung in einem sonst sehr durchdachten Klanggebilde. Ihre Stimmen geben der dystopischen Geschichte um KI, Empathie und fossile Machtstrukturen eine menschliche Dimension.
Natürlich ist das alles kein leichter Zugang. „Mirrorneuron 2“ fordert – musikalisch wie inhaltlich. Aber genau darin liegt seine Stärke.
Text: Dennis Kresse
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