Live and let Paul!

Wenn von den Siebzigern die Rede ist, fallen oft große Namen – und trotzdem wird Paul McCartney selten als prägende Kraft dieses Jahrzehnts genannt. Vielleicht, weil sein Schatten bereits übergroß war. Man On The Run – Music From The Motion Picture Soundtrack setzt genau hier an: nicht als Best-of, sondern als Re-Justierung.

Das Begleitalbum zur Doku von Morgan Neville konzentriert sich auf McCartneys Phase mit Wings – jene Jahre zwischen Neuanfang und Selbstbehauptung. Zwölf Songs skizzieren einen Künstler, der nach dem Ende der Beatles nicht verwalten, sondern riskieren wollte. Tour im Van, Experimente im Studio, Nigeria-Session – vieles wirkte damals übertrieben. Heute hört man: Es war Kalkül im Chaos.

Klassiker stehen neben Raritäten. Der unveröffentlichte Rough Mix von „Arrow Through Me“ öffnet das Studiofenster einen Spalt weiter, „Live And Let Die (Rockshow)“ erinnert daran, wie sehr McCartney auch als Performer unterschätzt wird. Und „Gotta Sing Gotta Dance“ zeigt diesen unerschütterlichen Drang zur Melodie, der selbst im Nebenmaterial sitzt.

Der Soundtrack funktioniert weniger als nostalgischer Trip denn als narrative Verdichtung. Man hört die Suche nach einer eigenen Stimme, das Austesten von Rollen zwischen Rockstar, Familienmensch und Songwriter. Nicht alles ist gleichgewichtig – aber genau darin liegt die Stärke: Diese Sammlung erzählt vom Risiko.

Man On The Run ist kein Monument. Eher eine Momentaufnahme. Und die zeigt einen Künstler, der aufhörte, vor seiner Vergangenheit davonzulaufen – und stattdessen lernte, sie zu überholen.

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