Leise Abgründe, große Wirkung: David Howald gibt den Narren!

David Howald – Der Narr

Mit Der Narr legt David Howald ein erstaunlich stilles, aber umso eindringlicheres Solodebüt vor. Wer ihn bislang vor allem als treibende Kraft einer Alternative-Rock-Formation wahrgenommen hat, erlebt hier die andere Seite: reduziert, verletzlich und von einer dunklen, fast schwebenden Intimität getragen. Neun Songs, die eher flüstern als schreien – und gerade deshalb lange nachhallen.

Die titelgebende Single „Der Narr“ funktioniert dabei wie ein Schlüssel zum Album. Verspielt und melancholisch zugleich, zeichnet sie ein zartes Porträt einer sprunghaften Figur, die zwischen Selbstironie und existenzieller Fragilität taumelt. Dieses Spannungsfeld zieht sich durch das gesamte Werk: Howald bewegt sich souverän zwischen zerbrechlichem Folk, ambienten Flächen und leisen Abgründen, die unter der Oberfläche brodeln.

Produktion und Sounddesign setzen bewusst auf Raum und Reduktion. Hinter den intimen Arrangements lauern immer wieder angedeutete Soundscapes – wie Schatten, die sich nur kurz zeigen, bevor sie wieder verschwinden. Das erzeugt eine permanente Spannung zwischen Nähe und Distanz, Wärme und Kälte.

Textlich überzeugt Howald mit bildgewaltigen Momentaufnahmen, die Persönliches und Allgemeines mühelos verschmelzen lassen. Seine Stimme wirkt dabei bewusst brüchig, fast tastend – ein Stilmittel, das die emotionale Direktheit der Songs verstärkt.

Der Narr ist kein Album für den schnellen Konsum. Es fordert Geduld, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, sich auf leise Zwischentöne einzulassen. Wer das tut, findet ein intensives, eigenständiges Werk zwischen dunklem Folk und artifizieller Klangpoesie – zurückhaltend, aber mit erstaunlicher Tiefe.

Text: Dennis Kresse

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