„Jetzt erst recht“ – Die Alex Mofa Gang über Haltung, Hoffnung und zehn Jahre „Die Reise zum Mittelmaß der Erde“

Zehn Jahre nach „Die Reise zum Mittelmaß der Erde“ blickt die Alex Mofa Gang nicht verklärt zurück, sondern mit Haltung nach vorne. Zwischen nostalgischen Erinnerungen, gesellschaftlicher Verantwortung und der Rückkehr zu den eigenen Wurzeln zeigt sich die Band reflektierter denn je – ohne dabei den Optimismus komplett zu verlieren. Passend zur Jubiläumsshow und der neuen Version von „Hoffnungsloser Optimist“ sprach Sascha Hörold  mit soundchecker.koeln  über politische Zeiten, emotionale Heimspiele, alte Songs im neuen Licht und die Frage, warum Punkrock auch 2026 noch Hoffnung transportieren muss.

Zehn Jahre „Die Reise zum Mittelmaß der Erde“ – fühlt sich das eher wie ein nostalgischer Rückblick an oder wie ein „Jetzt erst recht“-Moment?

Insgesamt fühlt sich die Gegenwart für uns, nicht nur als Band, nach einem „jetzt erst recht“ -Moment an. Es ist uns wichtiger denn je, mit klarer Haltung und Stabilität für ein offenes und demokratisches Miteinander einzustehen. Das beeinflusst natürlich auch unsere Musik.

Eure neue Single „Hoffnungsloser Optimist (Reise 2026)“ ist eine Hommage an eure Anfangszeit – was hat sich bei euch mehr verändert: die Welt oder ihr selbst?

Ganz bestimmt Beides. Wir haben uns zwar nicht in unserer Grundhaltung verändert, aber hoffentlich ein ganzes Stück weiterentwickelt und dazu gelernt.
Ob das in gleichem Maße für die Welt gilt, halte ich persönlich zumindest für fragwürdig. Auf der einen Seite gibt es längst überfällige Veränderung und auf der anderen Seite hat man das Gefühl wir bewegen uns in großen Schritten in eine Zeit zurück, in der nur noch das Recht des Stärkeren und Lauteren gilt.

Wenn ihr heute auf euer Debüt schaut: Was würdet ihr dem damaligen Ich der Alex Mofa Gang gerne sagen – und was lieber nicht?

Das ist eine schöne Frage! Im Großen und Ganzen wäre das gar nicht so viel. Wir haben in den letzten 10 Jahren immer alles von uns, vor allem Liebe in die Musik und die Band gesteckt, die Entscheidungen die wir getroffen haben und treffen waren und sind immer im Bewusstsein, für jeden von uns tragbar zu sein, egal ob das karrierefördernd, oder „Szenekonform“ ist. Wir haben immer gemacht, was wir fünf gut finden.

Vielleicht würde ich vermeiden der damaligen Gang vorauszusagen wie beschissen die Corona – Jahre werden. Das hätte unter Umständen viel Enthusiasmus kaputt gemacht.

Ihr spielt das komplette erste Album nochmal live – gab es Songs, bei denen ihr dachtet: „Mutig, den heute nochmal auszupacken“?

Ich glaube ein Song, oder eine Platte ist immer eineMomentaufnahme, oder Zustandsbeschreibung der persönlichen und gesellschaftlichen Situation, der kleinen und großen Umgebung. Natürlich gibt es Lieder die in sich zeitloser sind, oder mit uns gewachsen und nach wie vor einen festen Platz in den Setlisten auch von heute haben. Andere sind vielleicht in Vergessenheit geraten und bekommen jetzt eine Chance sich nochmal von einer anderen Seite zu zeigen.

Und natürlich fühlen sich manche Songs heute beim Spielen anders an als vor zehn Jahren,aber sie erzählen ja die Geschichte, die uns genau hierhin gebracht hat, sind als wie eine Art Wegweiser ins jetzt.

Der Gig am alten Proberaum in Alfeld klingt fast schon filmreif: Wie viel Gänsehaut steckt jetzt schon in der Vorbereitung auf diesen Abend?

Ja, da ist schon eine Menge Kitsch in der Geschichte – toll!  Wenn es etwas gibt, worauf wir wirklich stolz sind, dann ist es das der Kern der Mofa – Familie, also die Menschen, die uns seit sehr langer Zeit begleiten und immer wieder zu den Konzerten kommen, ein sehr bunter, offener und treuer „Haufen“ sind. Das Gleiche gilt für alle Mitarbeitenden aus dem KuBa und der Stadtjugendpflege in Alfeld, die uns seit Tag 1 des Bestehens der Alex Mofa Gang unterstützen. In der Vorbereitung sind wir natürlich alle in tausend organisatorische Dinge involviert, aber der Abend birgt devinitiv großes Potential für Gänsehaut und Emotionen 

Zwischen kleinen Jugendzentren und Festivals wie Hurricane Festival oder Southside Festival – wo fühlt sich „Zuhause“ für euch inzwischen eher an?

Diese Welten sind so unterschiedlich, dass man sie schlichtweg nicht vergleichen kann. Wir sind in der glücklichen Situation in beiden Welten stattfinden zu können. Dafür sind wir sehr dankbar und möchten nichts davon missen.

„Zuhause“ ist für die Gang auf der Bühne, egal ob vor 50, oder 5000 Menschen.Das klingt nach Platitüde, ist aber so.

Eure Musik war immer politisch, aber auch extrem tanzbar – ist das ein Spagat oder genau eure Stärke?

Das dürfen Andere entscheiden. Wir haben immer über die Themen gesungen und geschrieben, die uns bewegen und umtreiben. Wir sind als Menschen vielschichtig und das darf sich auch in unserer Musik widerspiegeln.

Wenn ihr auf die letzten zehn Jahre zurückblickt: Gab es einen Moment, der euch fast auseinandergebracht hätte – und einen, der euch endgültig zusammengeschweißt hat?

Das an ganz konkreten Situationen festzumachen fällt mir sehr schwer. Ich bin fest davon überzeugt, dass uns nichts auseinanderbringen konnte und kann – selbst wenn wir eines Tages entscheiden die Band aufzulösen, sind wir als Menschen sehr eng zusammengeschweißt, beruflich wie privat.
Und diese Band -Momente, die man einfach nur genießt, oder die so ein „dafür machen wir das alles“ Gefühl auslösen – davon gab und gibt es glücklicherweise eine ganze Menge.

„Hoffnungsloser Optimist“ ist ein ziemlich treffender Titel für diese Zeit – wie viel Hoffnung passt aktuell überhaupt noch in drei Minuten Punkrock?

Um im Bild zu bleiben; ich hoffe genug!
Ganz sicher ist es so, dass alleine Hoffnung bei der derzeitigen gesellschaftlichen Lage und den Weltpolitischen Geschehen nicht reicht, um Dinge wieder in bessere Bahnen zu lenken. Wir verspüren heute deutlich mehr Notwendigkeit und Verantwortung Dinge nicht nur anzusprechen, sondern aktiver Teil von Veränderung sein zu müssen.

Nach der großen Rückkehr zu euren Wurzeln: Geht der Blick jetzt eher nach vorne in Richtung nächstes Kapitel – oder wollt ihr erstmal noch ein bisschen in der eigenen Geschichte baden?

Das Open Air ist ein schöner Sprung in der den Pool der eigenen Geschichte, aber am nächsten Tag trocknen wir uns ab und gehen im hier und jetzt weiter. Wir arbeiten schon an neuer Musik und schauen vorfreudig darauf, die nächsten Kapitel mit Inhalt zu befüllen.

Fragen: Dennis Kresse

Erzählt von uns: Facebooktwitterby feather