HUNZGRIPPE machen es dem Rezensenten nicht gerade leicht. Zwölf Songs, persönliche Geschichten, historische Abstecher, metaphysische Fragen und jede Menge Übergänge zwischen gestern, heute und irgendwo dazwischen. Das kann schnell nach musikalischer Doktorarbeit klingen. Tut es aber erfreulicherweise nicht.
„Zwischen Zeilen und Welten“ ist das vierte Studioalbum von Roland Frank und Michael Schurr und zugleich ihr bislang ambitioniertestes. Die beiden erzählen Geschichten, statt einfach nur Songs aneinanderzureihen. Dabei reicht die Themenpalette von Liebe und Vergänglichkeit über gesellschaftliche Orientierungslosigkeit bis hin zu einer ziemlich düsteren Reise ins Jahr 1648.
Besonders „Die toten Kinder vom Bräu“ entwickelt dabei eine bemerkenswerte Sogwirkung. Die historische Tragödie bekommt durch die orchestrale Umsetzung eine fast filmische Dimension, ohne zum bloßen Soundeffekt zu verkommen. Später wird mit „Der Brauer“ noch einmal nachgelegt. Vergangenheit bleibt hier eben nicht Vergangenheit.
Daneben gibt es die leichteren Momente. „Danzen im Reng“ begegnet der Verunsicherung mit Trotz, „Dann geht sie ab“ erzählt von Verwandlung und „Ewig“ beendet das Album angenehm „liab“ und melodisch. Dazwischen darf man über das Leben, die Liebe und die eigenen Jahrzehnte nachdenken. Letzteres ist spätestens dann keine theoretische Übung mehr.
Musikalisch bewegen sich HUNZGRIPPE angenehm frei zwischen Folk, Rock, bayerischer Liedtradition und atmosphärischen Arrangements. Man muss nicht jeden philosophischen Unterbau studieren, um Gefallen daran zu finden.
„Zwischen Zeilen und Welten“ ist deshalb weniger ein Album zum Nebenbeihören als eines zum Entdecken. Manches erschließt sich sofort, anderes braucht eine zweite Runde. Und das ist heutzutage fast schon ein Qualitätsmerkmal.
HUNZGRIPPE haben viel zu erzählen. Zum Glück hören sie dabei nicht auf, Musik zu machen.
Text: Dennis Kresse
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