Nach über drei Jahrzehnten auf der Bühne kommt irgendwann der Moment, in dem man nicht mehr erklären muss, warum man Blues spielt. Man spielt ihn einfach. Und genau diesen Eindruck vermittelt „Road Back Home“ von Baum’s Bluesbenders: kein musikalisches Bewerbungsgespräch, sondern eine ziemlich selbstbewusste Rückkehr zu dem, was sich bewährt hat.
Elf eigene Songs, irgendwo zwischen Chicago-Blues, West-Coast-Blues, Soul, Rock ’n’ Roll und einer Prise Cajun – also musikalische Zutaten, bei denen man sich schon ziemlich anstrengen müsste, um daraus etwas Langweiliges zu kochen. Zum Glück passiert genau das hier nicht.
Norfried „Bill“ Baum an Gitarre und Gesang, Uwe Placke an der Mundharmonika, Jan Laacks am Bass und Frances Holzapfel am Schlagzeug bilden eine Band, die hörbar nicht erst gestern herausgefunden hat, wo bei einem Bluesstück die Eins sitzt. Das Zusammenspiel wirkt eingespielt, lässig und angenehm frei von dem Bedürfnis, ständig beweisen zu müssen, wie bluesig man doch ist.
Stattdessen gibt es Gitarren, die knarzen dürfen, eine Mundharmonika, die nicht um Erlaubnis fragt, und einen Rhythmus, der den Songs genügend Raum lässt. „Online“, „Sweet Rocking Mama“ und das Titelstück „Road Back Home“ zeigen dabei ziemlich schön, worum es geht: um Blues, der nicht im Museum sitzt und darauf wartet, dass jemand die Glasscheibe poliert.
Das Album klingt nach einer musikalischen Zeitreise, aber nicht nach einer Nostalgieveranstaltung. Hier wird nicht versucht, die Vergangenheit möglichst originalgetreu unter Glas zu legen. Die Band nimmt ihre musikalischen Einflüsse mit und macht daraus etwas Eigenes. Das ist ein wichtiger Unterschied. Blues darf schließlich alt sein, ohne altmodisch klingen zu müssen.
Besonders passend ist deshalb auch der Titel. „Road Back Home“ klingt nach Rückkehr, nach langen Wegen und nach dem guten Gefühl, irgendwann wieder dort anzukommen, wo man musikalisch hingehört. Und bei einer Band, die seit mehr als drei Jahrzehnten unterwegs ist, darf so ein Titel ruhig ein bisschen nach Bilanz klingen.
Dann wäre da noch die Sache mit dem Namen: Aus „Bill“ Baum wird wieder Norfried Baum. Ein kleiner Schritt zurück zum echten Namen, während die Musik gleichzeitig ziemlich eindeutig zeigt, dass der Weg musikalisch keineswegs zurückführt. Eher weiter hinein in das, was diese Band seit Jahren ausmacht.
Das Schönste an „Road Back Home“ ist letztlich seine Unaufgeregtheit. Kein Versuch, den Blues neu zu erfinden. Kein musikalisches Start-up-Geschwurbel. Keine Innovation um der Innovation willen. Stattdessen vier Musiker, elf selbst geschriebene Songs und eine ziemlich klare Ansage: Der Blues lebt. Und er hat offenbar noch lange nicht vor, sich zur Ruhe zu setzen.
Ein Album für alle, die Blues nicht als historische Abteilung betrachten, sondern als lebendige Musik mit ordentlich Charakter. „Road Back Home“ ist souverän, erdig, spielfreudig und angenehm frei von musikalischem Firlefanz.
Kurz gesagt: Die Bluesbenders sind wieder da. Und der Heimweg klingt verdammt gut.
Text: Dennis Kresse
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