Mit Closer To The Sun melden sich Tyketto nicht einfach nur zurück – sie schauen dabei auch ungewohnt nach innen.
Der Titelsong, der dem Album seinen Namen gibt, überrascht: weniger Lederjacke, mehr Sehnsucht. Statt klassischem Hardrock-Brett setzt die Band um Danny Vaughn auf Atmosphäre, Weite und eine fast schwebende Melancholie. Das wirkt zunächst ungewohnt, steht der Band aber gut.
Inhaltlich geht es um diese eine Figur, die man nie ganz greifen kann – irgendwo zwischen Faszination und Projektion. Vaughn erzählt das nicht kitschig, sondern mit einem Hauch Selbstzweifel: Was, wenn das Problem nicht die andere Person ist, sondern die eigene Perspektive?
Musikalisch bleibt genug von der alten Tyketto-DNA erhalten: klare Melodien, ein Gespür für große Refrains, dazu ein Sound, der sich eher auf Emotionen als auf Lautstärke verlässt. „Closer To The Sun“ ist kein Song, der dich umhaut – sondern einer, der sich langsam festsetzt und dann bleibt.
Gerade das macht ihn spannend. Während viele Genre-Kollegen immer noch versuchen, die 80er zu reproduzieren, wagen Tyketto hier einen kleinen Schritt raus aus der Komfortzone.
Das Ergebnis ist kein radikaler Neuanfang, aber ein bewusst gesetzter Akzent.
Oder anders gesagt:
Nicht näher an die Sonne – sondern ein Stück näher an sich selbst.
Text: Dennis Kresse
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