Freunde Der Italienischen Oper: Der Untergrund trägt wieder Uniform

Manche Bands werden mit den Jahren zahmer. Andere werden irgendwann zur eigenen Legende und ruhen sich darauf aus. Freunde Der Italienischen Oper, kurz F.D.I.O., haben offenbar für beides nichts übrig. Mit „Angelus Luminis“ meldet sich die DDR-Untergrundlegende mit elf neuen Stücken zurück und beweist, dass musikalische Unberechenbarkeit kein Verfallsdatum kennt. Wer hier gefällige Hintergrundbeschallung erwartet, sollte lieber gleich die Gardinen zuziehen.

Rund um Sänger Ray van Zeschau versammelt sich ein Quintett, das sich noch nie sonderlich dafür interessiert hat, musikalische Grenzen ordentlich einzuhalten. Postpunk trifft auf Dark Electro, Shanty auf Swing, Ironie auf Abgründiges. Das klingt nach einer Mischung, bei der andernorts vermutlich erst einmal eine Krisensitzung einberufen würde. Bei F.D.I.O. ist genau diese Lust am kontrollierten Kontrollverlust Teil des Konzepts.

„Angelus Luminis“ wirkt dabei erstaunlich geschlossen. Elf Stücke, die nicht einfach eine Sammlung musikalischer Einfälle darstellen, sondern ein Werk mit Haltung und eigener ästhetischer Handschrift. Die Band hat im Laufe ihrer Geschichte verschiedene Aggregatzustände durchlebt, ist verschwunden, wieder aufgetaucht und hat sich dabei ihre Eigenwilligkeit bewahrt. Dass die neuen Songs so abwechslungsreich und überzeugend geraten, ist deshalb alles andere als selbstverständlich.

Freunde Der Italienischen Oper waren schon immer mehr als eine gewöhnliche Band. Ihre Auftritte verbinden Musik mit Theater, Videoprojektionen und einem militärisch geprägten Dresscode. Das Visuelle gehört hier zur künstlerischen Aussage wie die schrägen musikalischen Wendungen zum Sound. Umso bemerkenswerter ist es, dass „Angelus Luminis“ auch ohne Bühneninszenierung eine solche Geschlossenheit entwickelt. Die Musik steht für sich, besitzt Ecken und Kanten und lässt sich nicht auf eine schnelle Pointe reduzieren.

Dabei blitzt immer wieder jene Ironie auf, die F.D.I.O. seit ihren Untergrundtagen auszeichnet. Hier wird nicht einfach nostalgisch die Vergangenheit beschworen, sondern mit ihr gearbeitet, gespielt und gelegentlich auch abgerechnet. Das Ergebnis ist eigenwillig, düster, überraschend und angenehm frei von musikalischer Anpassungsbereitschaft.

Dass eine Band mit dieser Geschichte ein brandneues Studioalbum auf einem Majorlabel veröffentlicht, hat durchaus seinen Reiz. „Angelus Luminis“ ist jedenfalls kein sentimentaler Gruß aus vergangenen Tagen, sondern ein selbstbewusstes Lebenszeichen. F.D.I.O. bleiben unbequem. Gut so!

Text: Dennis Kresse

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