Fontaines D.C.: Willkommen in der Dopamin-Hölle!

Wer glaubt, Fontaines D.C. würden sich irgendwann gemütlich auf ihren Lorbeeren ausruhen, hat die Rechnung ohne diese irischen Klangarchitekten gemacht. Mit „Dopamine Chamber“ öffnen Grian Chatten und seine Mitstreiter die nächste Tür in ihrem musikalischen Labyrinth. Dahinter wartet kein gemütlicher Pub mit Guinness und Gitarren, sondern eine verstörende Welt aus kalten Synthesizern, elektronischen Nebelschwaden und orchestraler Endzeitstimmung. Willkommen im fünften Album der Band – und vermutlich in einer Zukunft, in der selbst die Maschinen schlechte Laune haben.

Seit „Dogrel“ 2019 haben Fontaines D.C. eine beeindruckende Entwicklung hingelegt. Vom rauen Post-Punk ihrer Anfangstage über die düstere Wucht von „Skinty Fia“ bis zur stilistischen Öffnung auf „Romance“ war Stillstand nie eine Option. „Dopamine Chamber“ treibt diesen Wandel konsequent auf die Spitze. Produzent James Ford hilft dabei, vertraute Gitarrenmuster hinter sich zu lassen und eine Klangwelt zu erschaffen, die gleichermaßen fasziniert und beunruhigt.

Inhaltlich geht es um die große Flucht. Vor der Realität, vor der Angst und vor einer Welt, die uns mit digitalen Reizen pausenlos bei Laune halten will. Dass dabei ausgerechnet das Vergnügen zur Falle werden kann, ist der bittere Kern dieses Albums. Frontmann Grian Chatten beschreibt die Platte als eine Art Kammer, in der unterschiedliche musikalische Reize auf die Hörerschaft losgelassen werden. Wellness für die Seele sieht anders aus.

„Marianne“ lockt mit morbidem Luxus, während „Tongue“ mit verfremdeten Stimmen und auseinanderbrechenden Streicherarrangements die musikalischen Sicherungen durchbrennen lässt. Mit „Where Is Gone?“ sorgt ROSALÍA für einen orchestralen Höhepunkt, der dem Album zusätzliche Größe verleiht. Hier treffen unterschiedliche musikalische Welten aufeinander, ohne sich gegenseitig die Luft abzudrehen.

Fontaines D.C. verweigern sich bewusst dem einfachen Trostpflaster. „Dopamine Chamber“ klingt nach einer Menschheit am Kipppunkt, gefangen zwischen Sehnsucht, Selbsttäuschung und künstlicher Dauerstimulation. Das ist nicht immer bequem, aber verdammt spannend.

Die Iren liefern kein Album für nebenbei, sondern eine düstere Klangreise, die nachwirkt. Wer musikalischen Mut schätzt und sich auch im Dunkeln zurechtfindet, sollte hier unbedingt eintreten. Der Notausgang bleibt vorerst geschlossen.

Text: Dennis Kresse

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