Frank-Markus Barwasser als Erwin Pelzig – 17.09.2026 – Eltzhof Köln

Ich hatte es einige Male vorgehabt, bin jedoch noch nie im Eltzhof zu Gast gewesen. Bei dem Kabarettisten Frank-Markus Barwasser in seiner Paraderolle als Erwin Pelzig ist es endlich soweit. Sehr rollstuhlgerecht ausgestattet ist alles inklusive Parkplätze für Behinderte vor der Tür. Man verlässt ein Haus und begibt sich dann in ein weiteres, vermutlich eine ausgebaute Scheune, die mit gedämmtem Licht sofort für ein wohliges Gefühl sorgt.

Erwin Pelzig beginnt sein Kabarettprogramm mit dem Vorsatz, eine positive Perspektive einzunehmen, doch schon bald richtet sich seine Kritik gegen die politische Lage, insbesondere gegen die Bundesregierung, Friedrich Merz, die CSU, die AfD sowie gegen gesellschaftliche Brandmauern. Er führt den Zuschauer von der großen Politik zu existenziellen Fragen des menschlichen Zusammenlebens in einer sich rapide wandelnden Welt. Dabei wird ihm eine besondere Gesprächspartnerin zur Seite gestellt: Livia, eine stoizistische Lebensberaterin, deren philosophische Vernunft Pelzigs oft resignierende Haltung ausgleicht. Ergänzt wird das Ensemble durch Dr. Göbel und Hartmut, die unterschiedliche gesellschaftliche Milieus repräsentieren.

Pelzig erläutert den Stoizismus als eine antike Philosophie, die dazu ermutigt, sich auf mögliche negative Entwicklungen vorzubereiten, um sie gelassen zu ertragen. Dieser pragmatische Umgang mit Widrigkeiten wird als Gegenmodell zum heutigen digitalen Dauerrauschen präsentiert. Darüber hinaus reflektiert Pelzig den Anspruch an Moral im gesellschaftlichen Kontext. Er kritisiert besonders die Rolle von Tech-Milliardären wie Elon Musk und Peter Thiel, deren wirtschaftliche Macht zunehmend politische Einflussnahme ermöglicht und somit demokratische Prozesse gefährdet.
Der Kabarettist setzt sich zudem mit der Frage auseinander, wie Wohlstand und Verantwortung in der Gesellschaft verteilt sind, und warnte vor den Folgen einer moralischen Vereinfachung, die nur zu gegenseitiger Verurteilung führt. Vielmehr sieht er Moral als Fundament für Kooperation und gemeinsames Krisenmanagement – ein Prinzip, das historisch für das Überleben der Menschheit von zentraler Bedeutung war. Indem er die Natur des Menschen dem friedlichen Verhalten nahe verwandter Arten gegenüberstellt, hinterfragt er die vermeintliche Unvermeidbarkeit von Krieg und Gewalt.

Pelzig kritisiert abschließend auch die Rolle des Bürgers, der oft widersprüchliche Erwartungen an Politik und Gesellschaft stellt. Sein Fazit lautet, dass eine verantwortungsvolle, kooperative Moral sowie stoische Gelassenheit unerlässlich sind, um die Herausforderungen der Zukunft – wie Klimawandel, Migration und geopolitische Konflikte – zu bewältigen. Das Programm verbindet humorvolle Satire mit tiefgreifender gesellschaftlicher Reflexion und endete mit der grundlegenden Frage nach dem gemeinsamen Miteinander in einer sich stetig wandelnden Welt.
Stolze 2,5 Stunden reflektiert Pelzig gekonnt den gesellschaftlichen Ist-Zustand, die Entstehung dahin und wagt auch einen Ausblick. Vieles weiß man, aber Barwasser zeigt so gekonnt manche Verknüpfung auf und schärft Blickwinkel und Sinne so gut, dass man grüvelnd, kritisch und sich hinterfragend die Heimreise antritt.

Aber in den Eltzhof komme ich gerne wieder.

Text: Jan Rombout

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