Oliver Kalkofe hat ein neues Buch geschrieben und die Tour dazu führt ihn an diesem Abend von Bonn nach Köln. Doch was kann man erwarten? Tatsächlich eine Lesung? Schnipsel aus Kalk & Welk? Oder gar aus der Mattscheibe? Nein, darauf deutet nichts hin. Tatsächlich hat Kalkofe mehrere Bögen Papier in der Hand als er die Bühne betritt und sich an einen Tisch setzt. Doch zunächst geht es um das Hemd, das er trägt. Denn das ist der Langnese Preistafel nachempfunden, mit Eissorten, die es in den 80ern an jedem Büdchen oder Trinkhalle gab und das Magnum Eis noch nicht erhältlich war. Sofort schwelgt Kalkofe aber auch das Publikum in der Nostalgie. Und so wird recht schnell klar, worum es an dem Abend geht.
„Nie war Früher schöner als Jetzt“ ist der Titel des Buches und so schaut er zurück auf die Boomer.Jahre. Oft geht es dabei um Essen, um Fernsehsendungen und -serien aber eben auch um den gesellschaftlichen Umgang miteinander. Wenn man jetzt das Gefühl hat, man dürfe nicht mehr alles sagen, so bringt Kalkofe in Köln seine erste Erfahrung mit einer Art von Zensur: Der Grund war, dass die von ihm geliebte Zeichentrickserie „Schweinchen Dick“ Anfang der 70er Jahre abgesetzt wurde, auf Drängen der CDU in Person von Heiner Geißler. Der war im ZDF-Verwaltungsrat und hat das mitentschieden, zusammen mit einer Kollegin von der SPD, weil sie sagten, Zeichentrickserien seien schädlich für die Kinder. Das war seine erste traumatische Begegnung mit der Cancel-Culture.
Doch neben der wohlfühlenden Nostalgie, schlägt er auch kritische Töne an und mahnt. Alles ist im Überfluss und meist 24/7 abrufbar und stets verfügbar. Es muss nicht mehr wie früher auf Singles oder Alben gespart werden, es ist dank Streaming bereits im Haus. Und das sei nicht nur gut. Nach einer Pause geht Kalkofe auch kurz auf Zuschauerfragen ein und hier sticht eine hervor. Ob sein Buch und die Gedanken dazu auch im Osten funktionieren. Ja, weil diese sich auch an frühere Speisen, Gerüche aber auch das Westfernsehen gerne erinnern. Außerdem gibt es noch kurze Abstecher zu seiner Reihe „Schlechtesten Filme aller Zeiten“, wo er zusammen mit Peter Rütten – der selbst im Publikum sitzt – auf RTL Nitro Filme präsentiert, die so schlecht sind, dass sie schon wieder gut sind,
Alles in allem gelingt Oliver Kalkofe ein kurzweiliger und unterhaltsamer Abend, bei dem er stets ein gutes Timing besitzt und sich nicht zu lange bei einem Thema verharrt, sondern sehr gekonnt in die nächsten Themen überleitet.
Text: Jan Rombout
Credits: Harald Kirsch