Bush – The Sea of Memories: Acht Jahre Funkstille, zwölf Songs später immer noch Druck auf dem Kessel

Manchmal braucht es eine Pause, um wieder zu wissen, wo man hingehört. Bush meldeten sich 2011 nach acht Jahren Auszeit mit „The Sea of Memories“ zurück und bewiesen, dass griffiger Alternative Rock auch dann noch funktioniert, wenn sich die Musikwelt längst weitergedreht hat. Zum 15-jährigen Jubiläum erscheint das Album nun remastert und erstmals mit neun Bonustracks. Ein guter Anlass, alte Erinnerungen aufzufrischen und vergessene Stärken wiederzuentdecken.

Gavin Rossdale und seine Mitstreiter setzen auf das, was Bush schon immer ausgezeichnet hat: druckvolle Gitarren, große Melodien und eine ordentliche Portion Melancholie. Produzent Bob Rock sorgt für einen satten Sound, der den Songs die nötige Wucht verleiht, ohne ihnen jede Ecken und Kanten glattzubügeln. Hier wird nicht lange gefackelt, sondern gerockt. Gleichzeitig bleibt genügend Raum für die emotionalen Momente, die Rossdales Stimme seit jeher prägen.

„The Sea of Memories“ ist dabei kein verzweifelter Versuch, längst vergangene Grunge-Tage künstlich wiederzubeleben. Vielmehr zeigt das Album eine Band, die ihre musikalischen Wurzeln kennt und trotzdem nach vorne schauen möchte. Natürlich erfinden Bush das Genre nicht neu. Aber wer hat behauptet, dass jede Platte gleich eine musikalische Revolution auslösen muss? Manchmal reicht es völlig, wenn die Gitarren ordentlich sägen und die Refrains auch nach dem letzten Ton noch im Kopf herumspuken.

Besonders interessant wird die Jubiläumsausgabe durch ihre neun Bonustracks. Die zusätzliche Auswahl erweitert den Blick auf diese Schaffensphase und hält mit einer Coverversion von Joy Divisions „Love Will Tear Us Apart“ einen echten Höhepunkt bereit. Bush verpassen dem Klassiker eine kraftvolle Note, ohne dessen bittersüße Atmosphäre zu verlieren. Ein Beweis dafür, dass eine gute Coverversion nicht einfach nur nachgespielt werden muss, sondern dem Original eine eigene Perspektive abgewinnen kann.

Die Neuauflage erscheint als 2CD-Digipack mit Poster-Booklet oder als aufwendig gestaltete 3LP-Gatefold-Edition auf 180-Gramm-Vinyl mit 45 Umdrehungen pro Minute. Das Remaster bringt die ursprünglichen Songs klanglich auf Vordermann und macht die Wiederbegegnung auch für langjährige Fans reizvoll.

„The Sea of Memories“ bleibt ein Album für alle, die Alternative Rock lieber mit ordentlich Gitarrenfutter als mit angezogener Handbremse genießen. Die Jubiläumsausgabe liefert dafür den passenden Anlass: Bush kamen zurück aus der Erinnerung und haben sich bis heute etabliert.

Text: Dennis Kresse

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