Mit 20 Jahren schon auf der Bühne zu stehen, ist keine Sensation. Mit 20 Jahren auf der Bühne zu stehen und dabei so zu klingen, als hätte man die ersten drei Jahrzehnte Rockgeschichte persönlich mitgenommen, schon eher. Violet Grohl hat am 20. August im Kölner Luxor gezeigt, dass sie mehr ist als nur „die Tochter von Dave Grohl“. Und das ist vermutlich die wichtigste Nachricht dieses Abends.
Den Anfang machten Maia and the Squires, die das Luxor ordentlich auf Betriebstemperatur brachten. Eine passende Wahl als Support, denn statt höflichem Warmspielen gab es schon hier ordentlich Gitarren, Energie und die nötige Portion Rock’n’Roll. Angeführt voni ihrere charismatischen Frontfrau, der Argentinierin Maia Luker wussten im ausverkauften Luxor zu überzeugen.
Dann kam Violet Grohl. Und nein, die Foo Fighters standen nicht plötzlich auf der Bühne. Dafür gab es eine junge Musikerin, die hörbar ihren eigenen Weg sucht – und ihn zunehmend gefunden hat. Ihr Sound steht mit beiden Beinen im Grunge der frühen 90er, schaut aber gleichzeitig neugierig nach links und rechts. Trip-Hop, New Wave, Folk und sogar Einflüsse aus dem Black Metal finden ihren Weg in die Musik.
Im Luxor funktionierten vor allem die direkten, dreckigen Gitarrenpassagen hervorragend. Songs wie „Thum“ zeigen, dass Grohl nicht erst jahrelang Anlauf nehmen muss, um professionell zu klingen. Gleichzeitig bleibt genug Ecken und Kanten übrig, damit das Ganze nicht wie eine perfekt polierte Retro-Rock-Kopie wirkt.
Natürlich hängt der Name Grohl wie ein großes Schild über der Veranstaltung. Dave Grohl ist schließlich nicht irgendwer. Violet hat bereits mit zwölf Jahren mit ihrem Vater auf der Bühne gestanden und später beim Foo-Fighters-Song „Show Me How“ mitgewirkt. Aber spätestens nach diesem Abend darf man den berühmten Nachnamen auch einmal beiseitelegen.
Denn Violet Grohl funktioniert im Luxor vor allem als Violet Grohl. Selbstbewusst, grungig, manchmal melancholisch und mit einer erstaunlich erwachsenen Bühnenpräsenz.
Ihr Debütalbum „Be Sweet To Me“ liefert dafür die musikalische Grundlage. Die Kölner Headline-Show macht allerdings deutlich: Da ist noch einiges zu erwarten. Und wenn die Rockmusik tatsächlich wieder ein bisschen mehr Radar braucht, darf Violet Grohl gerne weiterfunken.
Für Nostalgiker ist das 90er-Jahre-Feeling dabei ein netter Bonus. Für die jüngere Generation könnte es schlicht der Beweis sein, dass Gitarren noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Und das ist doch eigentlich die schönste Überraschung eines Abends im Luxor.
Text: Dennis Kresse
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