Ballroom Blitz Reborn – Sweet zünden die späte Wiedergeburt

Mit Sweet Reincarnation wird ein Kapitel der Bandgeschichte von Sweet geöffnet, das lange im Schatten stand – und genau deshalb jetzt umso spannender wirkt.

Mitte der 80er formierten sich Sweet neu: Andy Scott und Mick Tucker stellten eine frische Besetzung auf, die mit Namen wie Phil Lanzon, Mal McNulty und vor allem Paul Mario Day (früher bei Iron Maiden) für neuen Druck sorgte. Eine Phase, die live bestens funktionierte – aber im Studio nie die Aufmerksamkeit bekam, die sie verdient hätte.

Genau hier setzt „Reincarnation“ an. Die Songs aus dieser Zeit klingen weniger nach Glam als nach hartem, melodischem Rock der 80er – direkter, kantiger, mit mehr Gewicht auf Gitarren und Druck als auf Glitter. Das steht der Band überraschend gut. Vor allem die Stimme von Paul Mario Day verleiht den Tracks eine rohe Energie, die man so von Sweet nicht unbedingt erwartet hätte.

Natürlich ist das kein durchproduziertes Studioalbum im klassischen Sinne, sondern eher ein Zeitdokument. Man hört den Aufnahmen ihre Entstehungszeit an – manchmal charmant, manchmal etwas unfertig. Aber genau das macht den Reiz aus: Hier wird nichts glattgebügelt, sondern ein Stück Bandgeschichte authentisch freigelegt.

Gerade Fans, die Sweet nur über ihre großen Hits kennen, dürften überrascht sein, wie viel Härte und Ernsthaftigkeit in dieser Phase steckt. Das ist keine nostalgische Rückschau auf Glanzzeiten, sondern eher ein Blick auf eine Band im Umbruch – auf der Suche nach einer neuen Identität.

Fazit:
„Sweet Reincarnation“ ist kein Pflichtkauf für den Mainstream – aber ein spannendes Stück Rockgeschichte für alle, die tiefer graben wollen. Sweet zeigen hier eine rauere, ehrlichere Seite. Und genau deshalb lohnt sich dieses späte Lebenszeichen.

Text: Dennis Kresse

Erzählt von uns: Facebooktwitterby feather