Swing ist unverwüstlich. Man muss ihn nur richtig anpacken. Thimo Niesterok hat dafür offenbar den passenden Schlüssel gefunden. Mit gerade einmal knapp 30 Jahren gehört der Trompeter bereits zu den gefragten Solisten für Swing und Straight Ahead Jazz. Auf seinem neuen Album „No More Detours“ zeigt er, dass man dafür keineswegs in musikalischer Nostalgie versinken muss. Der Blick geht nach vorn, auch wenn die Wurzeln tief in der goldenen Swing-Ära stecken.
Niesterok macht nämlich nicht den Fehler, die Vergangenheit einfach nur hübsch zu polieren. Stattdessen nutzt er deren musikalisches Erbe als Sprungbrett für eigene Geschichten. Seine Kompositionen verleihen dem Album eine frische Handschrift und beweisen, dass traditioneller Jazz alles andere als angestaubt sein muss. Hier wird nicht bloß ehrfürchtig vor den großen Vorbildern salutiert, sondern mit Spielfreude und eigener Haltung musiziert.
Unterstützt wird der Trompeter von Jerry Lu am Piano, Stefan Rey am Bass und Niklas Walter am Schlagzeug. Zusammen bilden die vier eine eingespielte Einheit, in der sich die Solisten entfalten können, ohne dass der gemeinsame Groove aus dem Blick gerät. Genau darin liegt der Reiz: Swing mit Haltung, musikalischer Eleganz und genügend Luft für spontane Ideen.
**Fazit:** „No More Detours“ macht seinem Titel alle Ehre. Thimo Niesterok nimmt keine Umwege über die Nostalgie, sondern bringt den Swing mit frischem Elan ins Hier und Jetzt. Ein Album für Jazzfreunde mit offenen Ohren – und für alle, die glauben, Swing sei nur etwas für Opas Plattenschrank.
Text: Dennis Kresse