Johnny Marr – The Age Of Everything: There Is a Light That Never Goes Out – Der Mann hinter dem Smiths-Sound hält das Licht in der Hand!

Es ist schon ein ziemlich großes Erbe, das Johnny Marr da mit sich herumträgt. Der Gitarrist der Smiths könnte sich längst auf der eigenen Legende ausruhen. Stattdessen macht er das, was er offenbar am besten kann: weiter Songs schreiben, Gitarren spielen und sich darüber wundern, was eigentlich aus dieser Welt geworden ist.

„The Age Of Everything“ ist dabei kein Album geworden, das sich nostalgisch an die Vergangenheit klammert. Im Gegenteil. Marr schaut nach vorn – allerdings nicht mit der naiven Begeisterung eines Menschen, der glaubt, dass morgen automatisch alles besser wird. Seine zehn neuen Songs bewegen sich zwischen Überforderung, gesellschaftlichem Zynismus und der ziemlich sturen Weigerung, sich davon die Hoffnung nehmen zu lassen.

Musikalisch ist das ausgesprochen direkt. Gitarren stehen erwartungsgemäß im Mittelpunkt, aber Marr interessiert sich nicht dafür, einfach noch einmal den Sound der Smiths aufzuwärmen. Die Songs sind prägnant, schnell und voller Bewegung. „It’s Time“ bringt diese Haltung besonders deutlich auf den Punkt: ein trotziges Stück Musik gegen Korruption und Zynismus, das sich nicht in Weltschmerz suhlt, sondern irgendwann einfach losrennt. „Spin“ und „Ophelia“ schlagen in eine ähnliche Kerbe und zeigen einen Musiker, der seine eigene Sprache längst gefunden hat.

Interessant ist dabei, dass „The Age Of Everything“ trotz aller großen Themen nicht wie ein politisches Manifest klingt. Marr beobachtet, stellt Fragen und entscheidet sich dann für den Widerstand gegen die Resignation. Technologie, gesellschaftliche Veränderungen und die permanente Reizüberflutung werden nicht verteufelt. Sie sind Teil dieser Gegenwart – und damit auch Teil eines Albums, das genau aus diesem Widerspruch seine Energie zieht.

Vielleicht ist das die eigentliche Stärke von Johnny Marr: Er muss niemandem mehr beweisen, dass gut Gitarre spielen kann. Und trotzdem klingt er noch immer so, als hätte er etwas vor.

„The Age Of Everything“ ist kein Rückblick auf bessere Zeiten. Es ist ein ziemlich energischer Versuch, in den aktuellen Zeiten nicht den Kopf hängen zu lassen. Und wenn Johnny Marr dabei die Gitarre in der Hand hält, darf man zumindest hoffen, dass dieses Licht tatsächlich noch nicht ausgegangen ist.

Text: Dennis Kresse

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