These Girls Forever! – Schluss mit dem männlichen Plattenschrank!

Juliane Streich (Hg.) – »These Girls Forever!«

Man kann Popgeschichte natürlich weiterhin so erzählen, als hätten ein paar Männer mit Gitarren den Rock ’n’ Roll erfunden und den Rest der Welt anschließend großzügig mitspielen lassen. Oder man macht es anders. Zum Beispiel mit »These Girls Forever!«.

Der dritte Band der Reihe »These Girls« und »These Girls, too« macht genau das, was eine gute Musik-Anthologie machen sollte: Er räumt im Kanon auf. Nicht mit dem Vorschlaghammer, sondern mit ziemlich vielen Geschichten über Musikerinnen, die längst viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätten – und über solche, die zwar bekannt sind, aber eben noch einmal aus einer anderen Perspektive betrachtet werden können.

Das Entscheidende dabei: Hier wird nicht einfach die nächste Liste feministischer Pop-Ikonen abgearbeitet. Die Beiträge sind persönlich, subjektiv und erfreulich unterschiedlich. Jacinta Nandi, Jan Müller, Sibel Schick, Kersty und Sandra Grether und viele andere schreiben über Künstlerinnen wie Barbra Streisand, Betty Davis, Judith Holofernes, Malaria!, Sinéad O’Connor oder Zaho de Sagazan. Das ergibt keinen glattpolierten Kanon, sondern eher einen ziemlich gut sortierten Wühltisch – und genau deshalb macht das Buch Spaß.

Denn natürlich ist die Popgeschichte noch lange nicht auserzählt. Im Gegenteil. Während Taylor Swift ganze Stadien in ökonomische Erdbebenzonen verwandelt und Rosalía Oper, Pop und Flamenco durcheinanderwirbelt, stehen andernorts immer noch Musikerinnen im Schatten, die längst ins Rampenlicht gehören.

»These Girls Forever!« versteht sich dabei nicht als pädagogische Pflichtlektüre. Zum Glück. Das Buch will nicht belehren, sondern neugierig machen. Es erinnert daran, dass Musikgeschichte immer auch eine Geschichte dessen ist, wer gesehen, gehört und erinnert wird – und wer eben nicht.

Und wenn man nach der Lektüre plötzlich wieder Platten auflegt, von denen man dachte, man kenne die Geschichte dahinter schon, dann hat dieses Buch alles richtig gemacht.

Popgeschichte ist kein abgeschlossenes Museum. Sie ist ein ziemlich großer Plattenschrank. Und »These Girls Forever!« sorgt dafür, dass dort endlich ein paar andere Platten ganz nach vorne kommen.

Text: Dennis Kresse

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