Der Herbst hat einen entscheidenden Vorteil: Niemand erwartet mehr Sonnenschein. Dafür darf es musikalisch umso heller, dunkler, lauter, leiser und gelegentlich auch komplett bekloppt werden. Der Oktober bringt in diesem Jahr jedenfalls reichlich Gründe mit, das heimische Sofa zu verlassen. Von Gothic-Rock und Crossover über Indie und Folk bis zu Kabarett, Singer-Songwriter und deutschsprachigem Pop ist ziemlich viel dabei. soundchecker.koeln hat sich durch den Kalender gearbeitet und empfiehlt – wie immer mit persönlicher Meinung statt musikalischer Bedienungsanleitung – diese Termine.
01.10.2026 Urban Priol – Gloria – Köln
Urban Priol braucht keine großen Erklärungen. Politisches Kabarett lebt bei ihm von Tempo, Beobachtung und dem ziemlich genauen Blick auf das, was gerade so schiefläuft. Das ist manchmal lustig, manchmal bitter und gelegentlich beides gleichzeitig. Wer nach einem Abend mit Antworten sucht, ist vielleicht falsch. Wer nach besseren Fragen sucht, eher nicht.
02.10.2026 Myrath – Gebäude 9 – Köln
Myrath gehören zu den Bands, die ziemlich genau wissen, wie man Progressive Metal groß, melodisch und trotzdem nicht beliebig klingen lässt. Orientalische Einflüsse treffen auf schwere Gitarren, große Melodien und eine gehörige Portion Dramatik. Das darf gerne monumental sein – solange die Songs nicht unter ihrer eigenen Größe zusammenbrechen. Bei Myrath passiert das erfreulich selten.
05.10.2026 The Sisters of Mercy – E-Werk – Köln
Andrew Eldritch und The Sisters of Mercy müssen eigentlich niemandem mehr erklären, warum sie zu den großen Namen des Gothic Rock gehören. „Temple of Love“, „This Corrosion“ und „Lucretia My Reflection“ haben längst ihr eigenes musikalisches Leben entwickelt. Wer Schwarz als Farbe und Dunkelheit als Stimmung versteht, dürfte hier ohnehin nicht lange überlegen. Der Oktober darf schließlich auch ein bisschen finster sein.
05.10.2026 Giant Rooks -Palladium – Köln
Giant Rooks haben sich vom Geheimtipp zu einer der bemerkenswertesten deutschen Indie-Bands entwickelt. Ihre Songs sind groß genug für große Bühnen, ohne dabei ihre ursprüngliche Leichtigkeit komplett zu verlieren. Zwischen Indie-Pop, Elektronik und Melancholie entsteht eine eigene Klangwelt. Schön, wenn Erfolg nicht automatisch bedeutet, die Ecken abzuschleifen.
06.10.2026 Courtney Barnett – Bürgerhaus Stollwerck – Köln
Courtney Barnett hat ein besonderes Talent: Sie kann über die kleinen Absurditäten des Alltags schreiben, ohne dass daraus belanglose Befindlichkeitsmusik wird. Ihr Indie-Rock ist lässig, trocken, manchmal verschroben und ziemlich klug. Vor allem aber klingt er nach ihr – und nicht nach dem Versuch, möglichst cool nach Indie auszusehen. Das ist bekanntlich ein Unterschied.
07.10.2026 William Wahl – Pantheon – Bonn
William Wahl verbindet Klavier, Liedermacherei und Kabarett mit einer Beobachtungsgabe, die manchmal ziemlich genau dorthin trifft, wo es ein bisschen weh tut. Humor und Intelligenz müssen sich schließlich nicht ausschließen. Im Gegenteil. Wahl zeigt, dass man über das Leben lachen und es trotzdem ernst nehmen kann. Eine ziemlich angenehme Kombination.
07.10.2026 Jeremy Days Acoustic Trio – Kufa – Krefeld
Die Jeremy Days gehören zu den Bands, bei denen man schnell merkt, dass gute Songs keine laute Verpackung benötigen. In der Trio-Besetzung rücken Melodien, Stimmen und Texte stärker ins Zentrum. Das kann wunderbar reduziert funktionieren. Manchmal ist weniger tatsächlich mehr – auch wenn das im Musikgeschäft gerne vergessen wird.
09.10.2026 Justin Sullivan – Resonanzwerk – Oberhausen
Justin Sullivan ist seit Jahrzehnten eine der prägenden Stimmen von New Model Army. Seine Songs verbinden persönliche Geschichten mit politischen und gesellschaftlichen Beobachtungen. Dabei wirkt er nie wie jemand, der einem die Welt erklären möchte. Er erzählt lieber davon. Und genau dadurch bleiben die Stücke hängen.
10.10. Laith Al-Deen – Stadthalle- Köln
Laith Al-Deen gehört zu den Stimmen des deutschsprachigen Pop, die über Jahre hinweg ihren eigenen Ton behalten haben. Große Gefühle gibt es durchaus – aber eben nicht ausschließlich mit der musikalischen Brechstange. „Bilder von Dir“ ist längst Popgeschichte, trotzdem lebt sein Konzert nicht nur von der Vergangenheit. Wer gute Melodien und ehrliche Emotionen mag, dürfte hier richtig sein.
13.10.2026 The Strokes – PSD Dome – Düsseldorf
The Strokes haben Anfang der 2000er bewiesen, dass Gitarrenrock gleichzeitig lässig, kantig und ziemlich erfolgreich sein kann. Was damals wie eine Wiederbelebung des klassischen Rock’n’Roll wirkte, wurde selbst zum Einfluss für eine neue Generation. Ihre Musik hat die Zeit erstaunlich gut überstanden. Vielleicht weil ein guter Gitarrenriff kein Mindesthaltbarkeitsdatum besitzt.
14.10.2026 Marteria. Lanxess Arena – Köln
Marteria hat den deutschen Hip-Hop längst aus den üblichen Schubladen herausgeholt. Zwischen Rap, Pop, elektronischen Sounds und großen Bühnen funktioniert bei ihm vieles gleichzeitig. Dazu kommt diese angenehme Fähigkeit, nicht alles bierernst nehmen zu müssen. Wenn der Mann auf die Bühne kommt, dürfte der Oktober jedenfalls kurzfristig vergessen, dass er eigentlich Herbst ist.
14.10. Michel von Wussow, Garagen – Köln
Michel von Wussow steht für deutschsprachigen Singer-Songwriter-Pop, der persönlich werden darf, ohne gleich im großen Gefühlskino zu versinken. Seine Songs leben von Nähe, Melodie und Geschichten, die nicht nach Hochglanz aussehen müssen. Gerade diese Mischung macht ihn interessant. Nicht jeder leise Song ist automatisch langweilig – manchmal hört man einfach genauer hin.
16.10.2026 Levellers – Luxor – Köln
Die Levellers sind ein schönes Gegenargument gegen die These, dass Folk-Punk irgendwann automatisch in Rente geht. Geige, Gitarren, politische Haltung und diese Mischung aus Melancholie und Aufbruch gehören weiterhin zum Markenzeichen. Ihre Songs können gleichzeitig nach Kneipe, Festival und gesellschaftlicher Unzufriedenheit klingen. Und das ist durchaus als Kompliment gemeint.
17.10.2026 Four Imaginary Boys, Harmonie – Bonn
Four Imaginary Boys widmen sich dem musikalischen Kosmos von The Cure – und damit einer Band, deren Songs ohnehin erstaunlich resistent gegen das Verfallsdatum sind. Zwischen Melancholie, Post-Punk und großen Popmomenten steckt genug Material für einen ganzen Abend. Entscheidend ist dabei nicht die möglichst perfekte Kopie, sondern die Liebe zu den Songs. Und die sollte man hören.
18.10.2026 Florian Schroeder – Comedia – Köln
Florian Schroeder gehört zu den Kabarettisten, die politische Themen nicht nur kommentieren, sondern auseinandernehmen wollen. Dabei darf es schnell, pointiert und unbequem werden. Wer sich im Theater ausschließlich bestätigt fühlen möchte, sollte vielleicht einen anderen Abend wählen. Wer dagegen gerne über die eigenen Gewissheiten nachdenkt, dürfte hier einiges mitnehmen.
21.10.2026 Jules Ahoi – Kulturkirche – Köln
Jules Ahoi bewegt sich irgendwo zwischen Singer-Songwriter, Indie und Folk und bringt dabei eine angenehm atmosphärische Note ins Konzertgeschehen. Seine Musik muss nicht permanent nach vorne stürmen. Sie darf auch Raum lassen. Gerade in einem Monat voller großer Namen ist so ein musikalischer Gegenentwurf durchaus willkommen.
22.10.2026 Sportfreunde Stiller – Turbinenhalle – Oberhausen
Sportfreunde Stiller haben etwas geschafft, was im deutschen Pop nicht selbstverständlich ist: Sie können große Hymnen schreiben und trotzdem sympathisch bleiben. „Ein Kompliment“ und „Applaus, Applaus“ kennt vermutlich auch der letzte Mensch, der behauptet, mit deutscher Musik nichts anfangen zu können. Live wird daraus genau das, was ein Konzert sein sollte: gemeinsam laut.
23.10.2026 Clara Lösel – Tanzbrunnen – Köln
Clara Lösel steht für die leiseren Zwischentöne im Oktoberprogramm. Ihre Musik verbindet persönliche Perspektiven mit einem modernen Singer-Songwriter-Ansatz. Dabei geht es weniger um große Gesten als um Atmosphäre und genaues Zuhören. Manchmal braucht ein Konzert schließlich keinen Konfettiregen, sondern einfach einen guten Song
26.10.2026 Clawfinger – Live Music Hall – Köln
Clawfinger haben schon in den Neunzigern gezeigt, dass Rap und Metal ziemlich gut miteinander auskommen können, wenn man sie nicht vorher in zwei Schubladen sortiert. Der Crossover-Sound der Schweden war damals unbequem, direkt und politisch. Heute ist vieles davon erstaunlich wenig veraltet. Vielleicht weil manche Probleme leider hartnäckiger sind als musikalische Trends.
28.10.2026 Pohlmann, Kulturkirche – Köln
Pohlmann gehört zu den deutschen Singer-Songwritern, bei denen sich Alltag, Gefühl und Beobachtung ziemlich selbstverständlich miteinander verbinden. Seine Songs können nachdenklich sein, ohne schwermütig zu werden, und persönlich, ohne privat zu wirken. Genau darin liegt seine Stärke. Ein Abend für alle, die Musik nicht nur hören, sondern auch ein bisschen mitnehmen wollen
29.10.2026 Kitty, Daisy & Lewis – Bürgerhaus Stollwerck – Köln
Kitty, Daisy & Lewis machen Musik, die klingt, als hätte jemand eine Zeitmaschine aufgestellt und sie mit Blues, Rockabilly, Country und Rhythm & Blues gefüttert. Das Entscheidende dabei: Es wirkt nicht wie eine historische Kostümparty. Die Geschwister spielen ihre Musik mit so viel Überzeugung, dass Retro plötzlich ziemlich gegenwärtig klingt. Gute Laune ohne Zwangsgrinsen – auch das muss man erst einmal schaffen.
29.10.2026 Bonapart – Kantine – Köln
Bonaparte hat sich nie sonderlich darum gekümmert, was man von einem normalen Konzertabend erwartet. Punk, Elektro, Pop, Performance und eine ordentliche Portion Wahnsinn treffen hier aufeinander. Das Ergebnis ist weniger Konzert als kontrollierter Ausnahmezustand. Und manchmal ist genau das die richtige Antwort auf einen ganz normalen Donnerstag.
30.10.2026 Madsen – E-Werk -Köln
Madsen haben den deutschen Indie-Rock über Jahre hinweg mit großen Melodien, Gitarren und einer guten Portion Haltung gefüttert. Dabei können sie laut und hymnisch, ohne komplett im Stadionmodus zu verschwinden. Ihre Songs funktionieren auf Platte, noch besser aber dort, wo Menschen gemeinsam mitsingen. Und genau dafür sind Konzerte schließlich erfunden worden.
30.10.2026 Razorlight – Kantine -Köln
Razorlight stehen für den britischen Indie-Rock der 2000er und Songs, die auch Jahre später noch erstaunlich schnell im Ohr landen. „America“ und „Golden Touch“ gehören zu den Stücken, die ihre eigene musikalische Zeitkapsel gebaut haben. Live darf daraus gerne mehr werden als Nostalgie. Denn gute Gitarrenmusik ist schließlich nicht automatisch alt, nur weil man sie schon einmal gehört hat.
Text: Dennis Kresse
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