Augen zu – und plötzlich ist Cat Stevens wieder da!

Patrick Snow und seine Cat Stevens Tribute Show entführen das Bonner Pantheon zurück in die Siebziger

Man muss schon ziemlich viel Selbstvertrauen besitzen, um sich auf eine Bühne zu stellen und zu behaupten: Ich bin Cat Stevens. Schließlich reden wir hier nicht über irgendeinen Sänger mit ein paar bekannten Liedern, sondern über einen der großen Songwriter seiner Generation. „Wild World“, „Morning Has Broken“, „Peace Train“, „Father And Son“ – das ist musikalisches Erbe mit ziemlich schwerem Gepäck.

Patrick Snow nimmt dieses Gepäck trotzdem mit auf eine sehr unterhaltsame Reise zurück in die 1960er und vor allem 1970er Jahre.

Die Vorlage für den Abend stammt aus einer Zeit, als für einen guten Auftritt offenbar noch erstaunlich wenig nötig war. 1971 stand Cat Stevens für eine legendäre BBC-TV-Performance mit Gitarren, Bass und seinen Songs über Liebe, Frieden, Freiheit und die großen Fragen des Lebens vor den Kameras. Keine gigantische Produktion, keine LED-Wand und vermutlich auch niemand, der gerade hektisch nach dem richtigen Instagram-Filter gesucht hat.

55 Jahre später wird diese Atmosphäre im Pantheon wieder aufgegriffen – und gleichzeitig selbst zum Teil eines Films. Der Auftritt von Patrick Snow und seiner Tribute-Show wird für eine Konzertaufzeichnung mitgeschnitten. Wer also schon immer davon geträumt hat, beim Konzert nicht nur Zuschauer, sondern nebenbei auch noch Statist zu sein, bekommt hier seine Chance.

Musikalisch geht es natürlich um die großen Songs. Und genau hier liegt die Herausforderung einer Tribute-Show: Die Leute kommen nicht, um eine Interpretation von Cat Stevens zu hören. Sie kommen, weil sie Cat Stevens hören wollen.

Patrick Snow scheint diese Gratwanderung ziemlich gut zu beherrschen. Seine Stimme erinnert verblüffend an das Original, gleichzeitig geht es nicht darum, den großen Songwriter als billige Kopie auf die Bühne zu stellen. Entscheidend ist das Gefühl. Und das ist bei Stevens ohnehin wichtiger als jede noch so perfekte Note.

„Father And Son“ nimmt dabei eine besondere Rolle ein. Snow erzählt, dass er Cat Stevens zum ersten Mal gemeinsam mit Ronan Keating bei diesem Song bewusst wahrgenommen habe. Seitdem gehört das Stück zu den Songs seines Lebens. Diese persönliche Verbindung merkt man der Show an. Hier wird nicht einfach ein Hit abgespult, sondern Musik gespielt, die jemandem tatsächlich etwas bedeutet.

Und vielleicht funktioniert eine solche Tribute-Show genau deshalb. Weil Cat Stevens‘ Songs inzwischen mehrere Generationen erreicht haben. Die einen haben sie damals auf Vinyl gehört, andere irgendwann auf CD entdeckt und wieder andere kennen sie aus Playlists, ohne sich überhaupt Gedanken darüber zu machen, wie alt diese Lieder inzwischen sind.

Im Pantheon bekommen sie nun wieder einen Raum, der dafür ziemlich ideal ist. Keine Arena, in der sich die Musik zwischen Tribüne und Oberrang verliert, sondern ein Theater, in dem Nähe entsteht. Ein paar Gitarren, tolle Musiker und Songs, die auch ohne Feuerwerk funktionieren.

Und wenn dann bei „Wild World“, „Morning Has Broken“ oder „Peace Train“ tatsächlich für einen Moment das Gefühl entsteht, Cat Stevens selbst würde dort vorne stehen, hat Patrick Snow sein wichtigstes Ziel erreicht.

Augen zu.

Und bitte nicht gleich wieder aufmachen.

Sonst merkt man am Ende noch, dass es gar nicht Cat Stevens ist, aber sehr nahe dran.

Text: Dennis Kresse
Credits: Patzrick Snow

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