Pixies kramen im Maschinenraum – Complete B-Sides erscheint erstmals auf Vinyl

Es gibt Bands, bei denen B-Seiten reine Resteverwertung sind. Und dann gibt es die Pixies.

Deren „Complete B-Sides: 1988–1991“ erscheint erstmals überhaupt auf Vinyl – wahlweise als Doppel-LP auf schwarzem oder transparentem Vinyl sowie als Doppel-CD. Eine gute Gelegenheit, noch einmal festzustellen, dass bei den Pixies selbst das vermeintliche Nebenprogramm erstaunlich oft Hauptprogrammqualität besitzt.

Die ursprünglich 2001 veröffentlichte Sammlung vereint 19 B-Seiten aus der wohl kreativsten Phase der Band. Songs wie „Wave Of Mutilation (UK Surf)“, „Into The White“, „Bailey’s Walk“ oder „The Thing“ zeigen eindrucksvoll, warum die Pixies Ende der Achtziger den Alternative Rock praktisch neu verdrahteten. Was bei vielen Bands auf der Rückseite einer Single landet, wäre anderswo locker als Albumhöhepunkt durchgegangen.

Für die Neuauflage wurden sämtliche Titel von Kevin Vanbergen anhand der Originalbänder neu remastert. Weil das Material bequem auf drei LP-Seiten passt, spendieren die Pixies der vierten Seite gleich noch sechs zusätzliche Liveaufnahmen, darunter Songs vom „Debaser“-Re-Release aus dem Jahr 1997. So wird aus einer simplen Wiederveröffentlichung ein Paket, das auch langjährige Fans noch neugierig machen dürfte.

Optisch gibt es ebenfalls Neues. Chris Bigg gestaltete das Artwork mit Archivaufnahmen von Simon Larbalestier und setzt damit gemeinsam mit den Verantwortlichen der Band einem Mann ein Denkmal, dessen Handschrift untrennbar mit den Pixies verbunden bleibt: dem 2019 verstorbenen Designer Vaughan Oliver.

Bleibt die wichtigste Erkenntnis: Die Pixies waren nie eine Band, die Ausschuss produziert hat. „Complete B-Sides“ beweist vielmehr, dass ihre zweite Reihe oft stärker war als die erste Liga vieler anderer Gruppen.

Oder anders gesagt: Manche Bands verstecken ihre Schätze auf der B-Seite. Die Pixies haben dort gleich ein ganzes Goldlager angelegt.

Text: Dennis Kresse

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